Archive for Oktober, 2007

in den seilen!

Mittwoch, Oktober 17th, 2007

logo_ids.gifDie neue Ausgabe von In den Seilen ist erschienen!

boxen und sitzordnung

Dienstag, Oktober 16th, 2007

boxen-gomez-mccall-oner.jpgDie Choreografie einer Pressekonferenz zum Kampfabend der Arena-Boxpromotion am Freitag, den 19.10., in Berlin: Die Tische sind aufgebaut wie ein Siegertreppchen, links sitzen zwei Boxer und ein Trainer, rechts sitzt ein Boxer, ein Trainer und der Moderator der PK, und in der Mitte, deutlich über alle anderen erhoben, sitzen die zwei Hauptkämpfer, Juan Carlos Gomez und Oliver McCall, zwischen ihnen der Promotor, Ahmet Öner.

der nach herman

Sonntag, Oktober 14th, 2007

dibaba.jpgDer Nachfolger von Eva Herman als NDR-Talkshow-Gastgeber heißt Yared Dibaba, ist 37 Jahre alt, stammt aus Äthiopien und hat unter anderem, auch weil er fließend Platt spricht, bislang die Sendung „Welt op Platt“ moderiert. Im Forum der Zeitung Welt wird Herr Dibaba begrüßt.

Ein Leser namens „Knut Berndt“ meint:

Also Arabella Kiesbauer war ja schon dunkel genug. Zahlenmäßig sollte man Exoten dem Anteil an der Gesamtbevölkerung anpassen. Ist ja langsam wie Hagenbecks Völkerschau im Fernsehen…

Ein Leser namens „Detlef“ mit leichter das-dass-Schwäche teilt mit:

Das nach der „blonden Eva“ nun ein negroider Systemling kommt, verwundert nur politisch absolut unbedarfte. Mit dem Thema „deutsch“ hat dieser fremdländische Farbige, ohnehin nichts zu tun.

Ein Herr „Joe Blow fom Cocomo“ hat andere Verwendungsmöglichkeiten im Sinn:

Dem Herrn Yared Dibaba aus Äthiopien alles Gute beim öffentlich-rechtlichen Zwangsgebührenfernsehen. Eigentlich könnte er an jeder Universität in Afrika als Professor für Germanistik arbeiten. Das Amt des Auswärtigen würde ihn sogar über die Goethe-Institute bezahlen.

Ein „Stefan“ hat einen Eindruck:

Ich habe den Eindruck, dass schon fast jeder zweite Kommentator dunkle Hautfarbe hat. Schluss mit der Gehirnwäsche! Schluss mit der Zerstörung unserer Kultur!

Ein Leser, der sich „Demokratur“ nennt, weiß:

Nun wurde uns Deutschen wieder gezeigt, daß Deutsche nur doofe Nazis sind und Schwarze die besseren Menschen. Die blonde Deutsche wurde exemplarisch bestraft und ausgetauscht, gegen das neuere, bessere Modell des Menschen. Zumindest nach Meinung der entscheidenden Führungskräfte.

Ein „Andy“ sieht das sehr ähnlich:

Nach Eva Herman nun ein Quoten-Farbiger aus Äthopien. Der NDR muss wohl nach Eva Herman nun politisch korrekt handeln.

Ebenso wie der Leser mit dem Namen „Meine Meinung“:

Im deutschen Fersehen sieht man überwiegend nur noch Ausländer , was soll das ? Wir sind anscheinend Fremde im eigenen Land.

Leser „André“ meint:

Tatsächlich sieht der Ersatzmann auf den ersten Blick wie eine Selbstläuterung des NDR aus, und vermutlich hat das auch eine gewichtige Rolle bei der Wahl des Nachfolgemoderatoren gespielt.

Leser „Glaschked“ hingegen hat gar nichts gegen Herrn Dibaba, nur gegen den NDR:

Vollkommen unabhängig von dem Herrn Dibaba, ich finde das mehr als taktlos, einen Farbigen als Nachfolger zu benennen. Als ob der NDR nun beweisen muss, dass er keine rechte Tendenz hat. Das ist lächerlich… Denn auf norddeutschen Landen da, wo es platt ist (also außerhalb von Hamburg) da sehen die Bauern einiges ganz anders…

freier journalismus

Samstag, Oktober 13th, 2007

bild-lesen.jpgWarum flanieren Journalisten über, sagen wir: die Frankfurter Buchmesse?

Die gesellschaftliche flânerie ist der Journalismus. Als flâneur begibt der Literat sich auf den Markt, um sich zu verkaufen. Das ist richtig; aber damit erschöpft sich der gesellschaftliche Aspekt der flânerie keineswegs.

So heißt es in Walter Benjamins „Passagen-Werk“. Das Flanieren ergibt laut Benjamin für den Journalisten ökonomischen Sinn:

Die zur Produktion seiner spezifischen Arbeitskraft gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist in der Tat erheblich; indem er es sich angelegen sein lässt, seine Mußestunden auf dem Boulevard als einen Teil von ihr erscheinen zu lassen, vervielfacht er sie und somit den Wert der eigenen Arbeit. In seinen Augen und oft auch in denen seiner Auftraggeber bekommt dieser Wert etwas Phantastisches. Allerdings wäre das letztere nicht der Fall, wäre nicht in der privilegierten Lage, die zur Produktion seines Gebrauchswert(s) notwendige Arbeitszeit der allgemeinen und öffentlichen Einschätzung zugänglich zu machen(,) indem er sie auf dem Boulevard verbringt und so gleichsam ausstellt.

Dass sich das „Phantastische“ auch in der Höhe der Honorare ausdrückt, hat Benjamin dann aber doch nicht behauptet.

zu dejagahs vorgängern

Freitag, Oktober 12th, 2007

Etwas von mir in der taz zu den nicht unproblematischen deutsch-israelischen Sportbeziehungen, u.a. mit der in der deutschen Presse sonst nirgends gehandelten Information, dass es in jüngster Zeit auch einen iranischen Nationalspieler gab, der gegen eine israelische Mannnschaft antrat.In den letzten Tagen hat sich die Art, wie über den Fall Dejagah geredet wird, verschoben. War man sich anfangs noch einig, dass es ein Skandal ist, wenn ein Nationalspieler aus „politischen“, aus „grundsätzlichen“ oder aus „religiösen“ Gründen einen Israelbesuch boykottiert, so haben jetzt alle Verständnis für den plötzlich aus „privaten“ Gründen handelnden jungen Mann, weil ja seine Verwandten Repressalien ausgesetzt sein könnten.Der Diskurs funktioniert so:Der Zentralrat der Juden in Deutschland wird als Ankläger wahrgenommen, der dabei immer ein wenig übertreibt, aber dem man diese Übertreibungen freundlich tolerant nachsieht.In Deutschland lebende Iraner oder aus dem Iran stammende Deutsche werden als Gutachter angehört, die, wie der grüne Bundestagsabgeordnete Nouripour in der taz, die Frage beantworten sollen, ob die Weigerung eines Menschen, israelischen Boden zu betreten, antiisraelisch sei: „Falsch. Er versucht nur, sich an die iranischen Gesetze zu halten.“Die deutsche Öffentlichkeit fungiert als neutraler Schiedsrichter, der sich moralisch und intellektuell über den jüdischen und iranischen Streithähnen stehend wähnt. DFB-Präsident Theo Zwanziger wird ja nun Gespräche mit allen Beteiligten führen und zu einem abschließenden Urteil gelangen.

buchmesse

Freitag, Oktober 12th, 2007

In der Jungle World etwas über den gewandelten Fußballbuchmarkt in Deutschland.

technodoping

Dienstag, Oktober 9th, 2007

Durch Zufall gerade erst gefunden: Die New York Times hat auf beeindruckende Weise die Vor- und Nachteile einer Laufprothese, mit der ja der südafrikanische Sprinter Oscar Pistorius gerne an den Olympischen Spielen der Nichtbehinderten teilnehmen möchte, analysiert.

„aus politischen gründen“ nicht nach israel?

Montag, Oktober 8th, 2007

Der Bild ist dies zu entnehmen: Der deutsche U-21-Nationalspieler Ashkan Dejagah weigert sich, zum Länderspiel nach Israel zu reisen; zur Begründung habe er gesagt: „Das hat politische Gründe. Jeder weiß, dass ich Deutsch-Iraner bin.“Ob die Darstellung von Bild so richtig ist, wird von Bildblog in Frage gestellt; die Kollegen verweisen auf einen Eintrag in readers edition. Dort heißt es, Dejagah, der sowohl die iranische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitze, nehme vermutlich Rücksicht auf seinen Bruder, der in Teheran bei einem Fußballverein spielt.Nachtrag am Abend des 8.10.: Der DFB hat eine Presseerklärung herausgegeben, außerdem hat DFB-Präsident Theo Zwanziger die Reise der U-21 nach Israel faktisch zur Chefsache erklärt. Dieter Graumann vom Zentralrat der Juden in Deutschland sagt gegenüber SpiegelOnline: „Es ist undenkbar und unmöglich, dass ein Nationalspieler einen privaten Judenboykott initiiert.“Nachtrag am Morgen des 9.10.: Die Jerusalem Post hat noch einmal neue Informationen zusammengetragen.

matthäus ins afrikanische israel?

Montag, Oktober 8th, 2007

telaviv.jpgVon wegen „global village“! Einer, nämlich der polyglotteste unter uns, bedient sich wie niemand sonst in Deutschland und der Welt der verschiedenen nationalen Öffentlichkeiten, die von einander nichts wissen: Lothar Matthäus!Der Bild ist zu entnehmen, dass ein neuer Investor von Maccabi Tel Aviv Matthäus den Posten des Cheftrainers angeboten habe. Matthäus wurde als Zuschauer eines Tel-Aviv-Spiels gesehen, dort habe er gesagt: „Ich bin privat in Israel. Aber es wäre eine Ehre für mich, Tel Aviv zu trainieren.“Eine halbwegs damit in Zusammenhang zu bringende Meldung findet sich in den israelischen Medien nicht. Vor einem Jahr war es umgekehrt. Da war Matthäus als Cheftrainer von Maccabi Netanya, auch ein israelischer Erstligist, im Gespräch, und (beinah) nur israelische Medien berichteten.Sogar bei Maccabi Tel Aviv war Lothar Matthäus schon mal im Gespräch gewesen. Damals wollte ihn ein mittlerweile wieder abgesetzter Sponsor holen, doch der Verein mochte Matthäus nicht.Das aber ist noch lange nicht alles, was man von Matthäus‘ Kunst, die Weltöffentlichkeit sehr diversifiziert zu informieren, berichten kann. Der BBC sagte Matthäus neulich: „Of course I am interested in becoming the coach of one of the top African national teams.“Matthäus‘ Interesse an Afrika ist zwei Wochen älter als Matthäus jüngstes Interesse an Israel.

scheues reh

Sonntag, Oktober 7th, 2007

marx-engels-forum.jpgNeulich sagte Frau Illner im Tagesspiegel, ihre liebste Politikerphrase sei, das Kapital sei ein scheues Reh. Ein Leser notierte daraufhin etwas arrogant, das sei gar

keine Phrase, sondern ein Zitat. Stammt von Karl Marx bzw. der nimmt 1867 auf den britschen Thomas Dunning bezug. Sollte eigentlich zum Allgemeinwissen gehören wenn man andere Leute als oberflächliche Dampfplauderer kritisiert.

Die Vermutung, die von allerlei Arbeitgeberpräsidenten immer wieder gerne ins Feld geführte Metapher vom Kapital als scheuem Reh stamme von Marx, findet sich noch häufiger, originellerweise besonders gerne in Publikationen aus der Westberliner Potsdamer Straße: hier und hier.
Die einzige Marxstelle, die meines Erachtens gemeint sein könnte, ist jedoch die Fußnote 250 im 24. Kapitel des ersten Bandes des „Kapital“:

„Kapital“, sagt der Quarterly Reviewer, „flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel.“ (T.J. Dunning, l.c.p. 35, 36.)

Also hat Marx nicht nur nicht die (eigentlich nicht unhübsche) Metapher vom scheuen Reh auf die Ökonomie angewandt, er hat sie auch nicht zitiert, sondern die Stelle, die er zitiert hat, gibt nur auf der einen Seite einen verwandten Gedanken wieder, relativiert diesen andrerseits jedoch.

Sollte es aber doch irgendwo ein entsprechendes Marxzitat geben – mich würd’s sehr interessieren, es wär‘ nett, wenn man’s mir mitteilte.

Wofür diese Recherche jedoch gut sein soll, weiß ich selber nicht.