merkwürdige menschen

Ein mir unbekannter Mensch, der obendrein anonym bleiben möchte und der sein Blog nach dem verhinderten Hitler-Attentäter Georg Elser nennt (vermutlich, weil er mutige Menschen bewundert), hat sich mir gewidmet. Nicht einem Artikel von mir, denn einen solchen scheint er nicht zu kennen, sondern meiner Biografie. Die kennt er zwar auch nicht, aber das weiß er nicht. Ein „Musterbeispiel“ für etwas, das er dann nicht ausführt, sei ich, hat er herausgefunden, denn mein Lebenslauf „ließt“ sich wie eine Bewerbung „für die“ Frankfurter Allgemeine. Nun will er sich scheints als Karriereberater ohne Auftrag ein paar Euro verdienen.

Was könnte Krauß noch so alles in seien Bewerbung für die FAZ am Sonntag schreiben? Ex-Linker mit  starken Absetzungstendenzen, besondere Spezialgebiete: Israel, Sport und nochmals Israel. Genau der Richtige Mann um für ein bürgerliches Blatt über Sport aus Israel zu berichten. Frank Schirrmacher übernehmen sie!               

Die Orthografie habe ich im Original belassen; wenn ich sie stillschweigend korrigierte, käme ich mir vor wie ein paternalistischer Schuft. Aber diese Fragen stelle ich mir schon: Will mir dieser Mensch meinen Beruf verbieten? Braucht er einen Satz Kommas? Glaubt er, grandioses Material in der Hand zu haben, um in seinem Leben wenigstens als Denunziant einmal groß rauszukommen? Weiß er nicht, wie man das schwierige Wort „Renegat“ schreibt und versucht es deswegen lieber mit „Absetzungstendenzen“? Geben sich nur „bürgerliche Blätter“ mit Themen zum Sport in Israel ab, während die „proletarische Presse“ solch Judenkram mit aufrechter Verachtung abstraft? Kurz: Was will dieser Mensch? Und was will er von mir? 

6 Responses to “merkwürdige menschen”

  1. antiimp sagt:

    ach martin, wie sagte einst olli kahn? was stört es eine deutsche eiche, wenn sich eine sau an ihr reibt.

  2. elser sagt:

    Lieber Martin Krauss,

    Wir kennen uns meines Wissens nach nicht persönlich. Sie sind aber jemand, der in seiner Funktion als Journalist im öffentlichen Rampenlicht steht. Ich habe mir lediglich erlaubt das zu kommentieren was sie so schreiben.
    Wie sie vielleicht gemerkt haben, habe ich ein Problem mit der Wochenzeitung „Jungle World“. Da steht nämlich drauf, sie sei eine „linke“ Zeitung. Bei näherer Betrachtung stellt sich aber heraus: Das stimmt gar nicht. Inzwischen schreiben in dem Blatt nämlich vornehmlich bürgerliche Journalisten über ein paar Standardthemen (Israel, Islamismus, Terroristen). Islamophobikern und Kriegshetzern wie Thomas von der Osten-Sacken, Henryk M. Broder oder Axel Feuerherdt wird in dieser Zeitung ein Forum geboten. Ich empfinde das als unwürdig für eine Zeitung die sich „links“ nennt und einmal als ein emmanzipatorisches Projekt (sie wissen das ja viel besser als ich, sie waren ja schließlich dabei) gestartet wurde.
    Persönlich fand ich ihre Sport-Artikel immer informativ und spannend geschrieben und auch was die Orthografie betrifft (soweit ausgerechnet ich das beurteilen kann :-)): voll in Ordnung . Was mir aber ein absolutes Rätsel ist: Über Sport aus einer linken/kritischen Perspektive zu schreiben (was sie ja wohl mal wollten) ist ne tolle Sache. Warum aber dann immer dieser parteiliche Blick auf Israel? Das bedient doch nur (anti)deutsche Identitäts-Gelüste und mehr nicht.
    Die Stoßrichtung ihrer Artikel, dass habe ich mir lediglich erlaubt anzumerken, müssten sie bei einem Wechsel zur FAZ am Sonntag nicht mehr wesentlich ändern. Wenn sie damit kein Problem haben, bitte. Ich gönnne ihnen ein fürstliches Gehalt bei FAZ-Springer-Burda, wir müssen ja schließlich alle unsere Rechnungen bezahlen…

    viel Erfolg auf ihrem weiteren Lebensweg,
    elser

  3. Primo sagt:

    Lieber „elser“, (bitte auch weiterleiten!)
    wofür haben wir als „Linke“ denn jahrelang gekämpft? Sind das nicht Themen wie Demokratie, Wahrheit, Menschenrechte und Menschlichkeit, Meinungsfreiheit, Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Toleranz, Frieden,etc.?
    Als „Linker“ galt früher natürlich immer irgendwie meine Solidarität dem unterdrückten Volk der Palästinenser, dem Underdog. Links bedeutet zwar in meinem Fall idealistisch zu sein (und somit auch ein wenig gutgläubig) aber nicht blöd und blind! Irgendwann ist auch mir aufgefallen, dass mit der Berichterstattung aus Nahost etwas nicht stimmt. Selbst als Ex-Zivi merke ich z.B., dass die Israelische Armee doch nicht einen verlustreichen Häuserkampf führt, wenn sie ein Massaker anrichten will – sowas wird anders gemacht. Auch die Meldungen von Hunderten von Toten, von denen nach Tagen plötzlich einfach nicht mehr die Rede ist, ließen mich stutzen. Neugierig geworden ging ich ins Internet und fand einen Haufen widersprüchliche Scheiße, was Eigendarstellungen und Berichterstattungen aus Nahost angeht. Dazu brauchte ich noch nicht mal die Pro-Israel-Beiträge, auf die ich zuerst auch bewusst verzichtet habe. Allein die Pro-Pally-Darstellungen reichten aus – hier konnte ich die Propaganda und Lügen, die uns täglich aufgetischt werden, selbst erkennen. Es ist nicht schlimm, wenn jemand deine solidarische Grundhaltung mal ausgenutzt hat. Schlimm ist, sehenden Auges an etwas festzuhalten, was ein Riesen-Fake ist. Warum sollen wir uns mit Gruppen solidarisieren, die eine etwas andere Sichtweise/Interpretation unserer Grundwerte haben:
    Demokratie – die Bevölkerung darf Vorgaben ihrer Unterdrücker zustimmen; Wahrheit – ist alles, was den Zielen dient; Menschenrechte und Menschlichkeit – sind durch den Koran definiert (->beschränkt, alternativ: Methode Präsident Achmachmirdendjihad: „…dieses Phänomen (Homosexualität) gibt es in unserem Land nicht…“); Meinungsfreiheit – die Freiheit genau die herrschende Meinung äußern zu dürfen; Gerechtigkeit – Allah ist gerecht; Gleichberechtigung – auch Frauen dürfen im heiligen Krieg verheizt werden; Toleranz – wenn jemand anderer Meinung ist toleriere ich ihn, bis ich ihn besiegen kann; Frieden – ist der Zustand nach der Vernichtung Israels, der USA und der westlichen Welt. Mit dieser Lesart unserer Grundwerte kann ich mich nicht identifizieren – kannst du das?
    Geh einfach mal mit offenen Augen über die Brücke, die ich (als Linker) dir (als Linken) gebaut habe. schau dich einfach mal um – es bekommt ja erstmal keiner mit. Schwer wirst du es erst haben, wenn du in unseren Kreisen deine Abneigung gegen die palästinensische Propaganda äußerst – das verspreche ich dir. Dann wird man dir vorwefen, wie ein Rechter zu reden. Aber man ist ja ein Linker, weil man Ideale hat und nicht, weil man es einfach haben will, oder?
    Ich warte auf dich – auf der Seite der unbequemen Wahrheiten – und verbleibe mit solidarischen Grüßen
    Primo

  4. Elke Wittich sagt:

    Oh, was haben wir denn hier? Vollversammlung der Krabbelgruppe „Wer links ist, bestimme ich“?
    Na, dann viel Spaß noch. Und ein sehr ernstgemeinter Tipp: Wer nicht einmal in der Lage ist, sein Anliegen, was immer es auch sei, mit seinem wirklichen Namen zu vertreten, ist in aller Regel nix weiter als eine arme Wurscht.

  5. elser sagt:

    @ Elke

    Ob ich eine arme Wurst bin oder andere Gründe habe lieber anonym bleiben zu wollen, sei mal dahin gestellt. Aber kleiner Tipp von mir: In der BRD hat Kommunisten-Verfolgung Tradition. Aber ihr Jungle-World-AutorInnen habt ja mit sowas eh nix mehr am Hut…

  6. admin sagt:

    Der Administrator spricht:
    Für Diskussionen über „Bellizismus“, „Islamophobie“, „Kommunistenverfolgung“, „deutsche Eichen“ und ähnlichen Scheiß gibt es im weltweiten Web jede Menge andere Foren. Da darf sich austoben, wer will. Ich nehme mir das Menschenrecht des Nichtlesenmüssens raus. Hier jedenfalls werden keine Beiträge mehr freigeschaltet. Was schon veröffentlicht wurde, bleibt stehen – als Mahnmal.
    Martin Krauß