schrebergarten

garten-neukoelln.jpg Gefunden in Alfons Goldschmidt: Deutschland heute, 1928:

Schrebergärten, Laubenkolonien, das sind keine Auffrischung, sondern Ablenkungen, schmutzig-grüne Tröstungen, Eigentumsvorspiegelungen, Schäbigkeiten. Anstatt den müden Menschen grüne Freiheit zu geben, Unumhegtheiten, konzediert man ihnen Eingitterungen, in denen sie oft noch am Sonntag für Speisezusatz arbeiten müssen. Großstadtzubrot für die Proleten, bis Terrainspekulation die „selbstgezüchteten“ Mohrrüben wegfrisst. Oft sind Laubenkolonien schon belagert von Häuserblöcken, Agio-Rummel züngelt schon nach ihnen, morgen werden die povren Pächter vertrieben sein. Morgen wir die kleine Befriedigung weg sein, die Fähnchen, die Knollen und das Häuschen mit dem krampfhaft herzlichen Spruch. Schämen sollte sich die Stadt solcher Gnädigkeiten auf Zeit, solcher Freiluftasyle, in denen wenig Luft und gar keine Freiheit ist. Und doch bangt der Prolet um das Zehntel Morgen Land, denn es ist das wenige, was ihn sich Mensch träumen lässt.

Tucholsky lobte das Buch damals:

Das Kapitel über Berlin sollte man vielen Journalisten täglich zum Abschreiben geben – denn so ist diese Stadt, Berlin im Schatten, Berlin im Modder, Berlin in Deutschland.

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