Archive for Mai, 2008

matthäus‘ ankunft im gelobten land

Mittwoch, Mai 21st, 2008

jerusalem.JPG Lothar Matthäus ist im israelischen Netanya auf einer Cocktailparty offiziell als Trainer von Maccabi Netanya vorgestellt worden. Das vermag solche Beobachter irritieren, die wissen, dass die Saison noch bis Ende Mai andauert und in den verbleibenden zwei Spieltagen der amtierende und bald zugunsten von Matthäus geschasst sein werdende Trainer Reuven Atar mit der Mannschaft noch den Vizemeistertitel sicherstellen muss.

Aber Matthäus und seinen neuen Chef, den aus Frankfurt stammenden Daniel Jammer, stört das nicht.

„Das ist unser großer Tag“, beschied Jammer der anwesenden Presse. „Heute ist der letzte Tag, an dem Ihr  lästig und fies sein könnt. Vergesst nicht: Von jetzt an werden Eure Worte die Welt erreichen. Das ist ein historischer Tag für den Fußball. Ich möchte beweisen, dass wir ein starkes Land sind, dass hier keine Idioten leben.“

Dieses Statement noch zu toppen, dazu bedurfte es der Bürgermeisterin von Netanya. Miriam Feierberg führte sich, glaubt man dem Bericht der liberalen Tageszeitung Ha’aretz, auf, als habe Matthäus „die Macht, den Weltfrieden zu bringen und die Polarbären vor dem Aussterben zu retten“. Die Bürgermeisterin sagte zu Matthäus tatsächlich: „Auch wenn er nicht Hebräisch spricht, so ist er doch ein wirklicher Sabra“, und Sabra ist das Wort für die im Land geborenen Israelis.

Wie verrückt die Stimmung in Israels Norden zu sein scheint, wird vielleicht am ehesten deutlich, dass ausgerechnet der Gefeierte himself, Lothar Matthäus, der Weltfußballer-Und-Weltmeister-Und-Rekordnationalspieler-Und-Trainerlizenzinhaber, einen eher zurückhaltenden Satz sprach: „Es ist nur Fußball.“ Froh sei er, hier sein zu dürfen, aber er müsse sich jetzt erst mal um alltägliche Dinge kümmern. „Ich habe eine Wohnung zu suchen und ein Auto zu kaufen, ja, ich habe nicht mal eine Badehose dabei.“

Ein bisschen vom echten Lothar Matthäus war aber dann doch zu vernehmen. Angesprochen auf Rudi Völler und, natürlich, Jürgen Klinsmann, sagte Matthäus: „Vergessen Sie nicht, dass ich vielleicht nur in niedriger eingeschätzten Ligen gearbeitet habe, aber ich habe Meisterschaften gewonnen – und sie nicht.“

Noch ein paar Zusatzinformationen finden sich hier.

die euro, folge 16 und schluss

Dienstag, Mai 20th, 2008

Mit dem Text über Russland, das ja dank Zenit St. Petersburg in der hiesigen Wahrnehmung zum nicht mehr ganz so krassen Außenseiter mutiert ist, habe ich meine Serie über die EM-Teilnehmer in der Netzeitung abgeschlossen. Was folgt, sind Betrachtungen zur Taktik und Spielanlage der verschiedenen Mannschaften.

„wer macht den sport kaputt?“ (wieder audio!)

Montag, Mai 19th, 2008

Das Sportgespräch des DLF, an dem mein Kollege Rolf-Günther Schulze teilnahm, beschäftigte sich u.a. mit der Frage, ob Doping freizugeben sei. Es ist (hoffentlich) hier zu hören.

radiotipp

Freitag, Mai 16th, 2008

Am Sonntagabend, 18. Mai 2008, um 23.30 Uhr wird im Deutschlandfunk in der renommierten Reihe „Sportgespräch“ eine Diskussion unter dem etwas hölzernen Titel „Ist die Dopingfreigabe eine Alternative?“ zu hören sein. Es diskutieren der DOSB-Generaldirektor Michael Vesper, der Rechtsanwalt Michael Lehner und mein Kollege Rolf-Günther Schulze, mit dem ich zusammen das Buch „Wer macht den Sport kaputt?“ herausgegeben habe.

die euro, folge 15

Donnerstag, Mai 15th, 2008

Meine Serie über die EM-Teilnehmerländer in der Netzeitung ist fast fertig: „Viva Espana“ ist heute erschienen. Die Folge zu Russland erscheint am Montag, den 20.5.

mal in eigener sache

Mittwoch, Mai 14th, 2008

Zur Abwechslung nutze ich mein Blog einmal, um auf eine gleichermaßen unangenehme wie lehrreiche Urheberrechtsauseinandersetzung aufmerksam zu machen.

Mitte April führte ich ein Interview mit Lothar Matthäus. Ich tat dies im Auftrag sowohl der Netzeitung als auch der Jüdischen Allgemeinen. Selbstverständlich teilte ich Matthäus mit, für wen ich ihn interviewe, und er gewährte mir das Interview explizit für diese zwei Blätter.

Damit es für beide einen hohen Nutzwert hat, machte ich aus dem Interview, das übrigens von Matthäus autorisiert war, zwei Fassungen: Eine bezog sich eher auf den israelischen Fußball (die ging an die Netzeitung), eine andere handelte mehr vom Land Israel (die ging an die Jüdische Allgemeine, wo das Interview auch nicht im Sportteil, sondern auf der Seite eins erschien). Überschneidungen zwischen beiden Interviews wurden von beiden Redaktionen toleriert.

Die Fassung, die in der Netzeitung erschien, wurde ohne mein Wissen und ohne meine Erlaubnis von dem österreichischen Fußballportal offside.at übernommen. Ein „H. Miltner“, von dem ich später erfuhr, dass es der scheinbar berühmte Fußballjournalist Harry Miltner ist, fungierte als „Autor“, mein Name wurde dort auch erwähnt, ein Hinweis auf die Netzeitung fand sich nicht.

Ich sandte offside.at eine Rechnung, verbunden mit der Aufforderung, die illegale Verwendung meines geistigen Eigentums sofort einzustellen.

Harry Miltner, über den Wikipedia mitteilt, er sei „ein Austro-schottischer Schriftsteller und Journalist“, der  unter anderem eine sportliche Karriere imRollhockey hinter sich habe und der neben seiner Tätigkeit als Leiter von Offiside.at noch Gastdozent an mehreren Universitäten und Fachhochschulen sei, antwortete mir per E-Mail.

Ans Bezahlen des von ihm illegal verwendeten Beitrags denke er nicht. Das Interview sei vielmehr „nach Rücksprache mit der Netzeitung“ online gestellt worden. Das, so etwas lässt sich ja schnell herausfinden, stimmt nicht. Ohnehin hätte es keinen Einfluss, weil das Urheberrecht natürlich weiter bei mir liegt.

Außerdem, so Miltner, sei, wenn er past-and-copy macht, dies quasi eine Adelung meiner Texte; ich möge es doch bitte als „Gratiswerbung für Sie und Ihre journalistischen Fähigkeiten“ ansehen.

Herr Miltner erinnert eher an den deutschen Entertainer Wolfgang Lippert, der als er einmal beim Klauen in einem Baumarkt erwischt wurde, gleich anbot, kostenlos eine Autogrammstunde abzuhalten.

„Da uns Ihr Interview aber sehr gut gefallen hat“, lipperte sich Miltner weiter, „könnten wir uns gut vorstellen, in Zukunft mit Ihnen zusammen zu arbeiten und würden Sie einladen, uns gegebenenfalls Interviewvorschläge zukommen zu lassen.“

Ob da die Möglichkeit auf noch mehr Gratiswerbung für mich drin ist, schrieb Miltner nicht.

Jedenfalls übergab ich den Vorgang der Rechtsabteilung meiner Gewerkschaft.

wrestling in israel

Mittwoch, Mai 14th, 2008

Mit einer eigens für ihren Online-Auftritt eingebauten Verzögerung, für die ich nichts kann und die mir letztlich aber auch sehr egal ist, veröffentlicht die Jungle World meine Geschichte über den gescheiterten Versuch, Prowrestling in Israel zu etablieren, erst jetzt. In der Printversion schon seit Donnerstag zu haben und zu lesen, online erst jetzt: „Wie das Wrestling nach Israel kam

bonds und trotzki

Dienstag, Mai 13th, 2008

trotzki.gifbonds.jpg  Erhellendes zu den Steroid-Vorwürfen gegen Barry Bonds habe ich bei Dave Zirin gelesen. Für ihn ist Bonds „der Leon Trotzki der Major League Baseball“. Hier ein Zitat von Bonds:

Ist es Betrug, Steroide zu nehmen? Wollen Sie mir sagen, was in den USA Betrug ist? In Korea wird ein Hemd für 1,50 Dollar hergestellt und dann hier für 500 Dollar verkauft. Und Sie fragen mich, was Betrug ist?    

Das Zitat ist Dave Zirins Beitrag „Massenvergnügungswaffe“ in unserem Buch „Wer macht den Sport kaputt?“ entnommen. 

die euro, folge 14

Dienstag, Mai 13th, 2008

Mit Schweden – „Heja, Sverige“ – hat die Serie über die EM-Teilnehmer, die in der Netzeitung erscheint, einen vorläufigen Höhepunkt erklommen. Jetzt kann nur noch Spanien und Russland folgen.

schrebergarten

Montag, Mai 12th, 2008

garten-neukoelln.jpg Gefunden in Alfons Goldschmidt: Deutschland heute, 1928:

Schrebergärten, Laubenkolonien, das sind keine Auffrischung, sondern Ablenkungen, schmutzig-grüne Tröstungen, Eigentumsvorspiegelungen, Schäbigkeiten. Anstatt den müden Menschen grüne Freiheit zu geben, Unumhegtheiten, konzediert man ihnen Eingitterungen, in denen sie oft noch am Sonntag für Speisezusatz arbeiten müssen. Großstadtzubrot für die Proleten, bis Terrainspekulation die „selbstgezüchteten“ Mohrrüben wegfrisst. Oft sind Laubenkolonien schon belagert von Häuserblöcken, Agio-Rummel züngelt schon nach ihnen, morgen werden die povren Pächter vertrieben sein. Morgen wir die kleine Befriedigung weg sein, die Fähnchen, die Knollen und das Häuschen mit dem krampfhaft herzlichen Spruch. Schämen sollte sich die Stadt solcher Gnädigkeiten auf Zeit, solcher Freiluftasyle, in denen wenig Luft und gar keine Freiheit ist. Und doch bangt der Prolet um das Zehntel Morgen Land, denn es ist das wenige, was ihn sich Mensch träumen lässt.

Tucholsky lobte das Buch damals:

Das Kapitel über Berlin sollte man vielen Journalisten täglich zum Abschreiben geben – denn so ist diese Stadt, Berlin im Schatten, Berlin im Modder, Berlin in Deutschland.