Archive for Juni, 2009

wie die mesuts in die nationalelf kamen

Montag, Juni 29th, 2009

Aus gegebenem Anlass, dem EM-Erfolg der deutschen U-21-Mannschaft im Fußball, und wegen des Umstands, dass früher in Jugendnationalmannschaften des DFB lauter Uwes, Heikos und Jürgens spielten, heute aber Jeromes, Änis’, Gonzalos, Samis, Mesuts, Ashkans und Chinedus das Spiel prägen, setze ich hier mal den Link auf eine Geschichte, die ich gemeinsam mit meinen Kollegen Mathias Heybrock und Malte Oberschelp im April 2007 im Fußballmagazin Rund veröffentlicht hatte: Die Türken kommen. (Wg. evtl. Verwirrung: Die Geschichte lief auch auf ZeitOnline und ist dort leichter im www auffindbar; das Rund-Heft, das die schöneren Illustrationen hat und wo sich auch ein sehr informatives Interview mit Vater und Sohn Özil findet, ist hier downloadbar).

histadrut in der krise

Montag, Juni 29th, 2009

Was machen eigentlich die israelischen Gewerkschaften im Zeichen der Krise? Wenn man hierzulande etwas über Israel liest, so doch allermeist – also in  95 bis 105 Prozent aller Fälle – über Außenpolitik, palästinensische Gebiete, Gazastreifen etc. Von mir daher mal der sehr allein stehende Versuch, etwas über die Histadrut zu schreiben, den einstmals so mächtigen Gewerkschaftsdachverband, zu schreiben: Gestreikt wird nicht, in der Jungle World.

punch und parkinson

Freitag, Juni 26th, 2009

ali-cover.jpg In der Wiener Tageszeitung Standard ist eine lesenswerte Rezension meiner Muhammad-Ali-Hörbiografie erschienen: Vom Punch bis zu Parkinson: „Martin Krauß ist ein geschickt arrangiertes Feature gelungen, so setzt das Hörstück ein mit einer Vielzahl von Stimmen, von fast vergessenen Konkurrenten bis zur Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison, und führt dann in erfrischender Distanz Alis Lebens- und Erfolgsstationen entlang: der Olympiasieg 1960, die Kriegsdienstverweigerung, der Übertritt zum Islam inklusive Namenswechsel, Ächtung, Verlust des Titels und die späten Fights in Kinshasa und Manila bis zur Parkinson-Erkrankung und seiner diplomatischen Mittlerrolle nach den Anschlägen von 2001.“

Also, die CD heißt: „Muhammad Ali. Ein Leben“ und ist bei Argon für 9,95 Euro erschienen.

 

brot und tulpen

Mittwoch, Juni 24th, 2009

Seit April gibt es eine internationale Gewerkschaftsinitiative mit dem schönen Namen TULIP: Trade Unions Linking Israel and Palestine. Über die Initiative, über die Gründe, die das Entstehen von TULIP dringend nötig machten und über die unter anderem von DGB-Chef Michael Sommer getragenen Bemühungen, dass sich auch die deutschen Gewerkschaften TULIP anschließen, schreibe ich in der Jüdischen AllgemeinenStreik und Frieden (runterscrollen). Und wer sich über die Initiative direkt informieren will, möge auf Ihrer Website schauen:tuliponline.org. (Und wer herausfinden will, warum die Überschrift zu diesem Blogeintrag „Brot und Tulpen“ lautet, schaue hier nach.)

nie sich selber googeln!

Mittwoch, Juni 24th, 2009

Einen Grund, warum man nicht und nie und never nach sich selbst googeln sollte, habe ich beim Googeln nach mir selbst entdecken müssen: „the internationally famous UFO researcher Martin Krauss…“ stand da. Es wird mir eine Lehre sein.

VOR ZEHN JAHREN: 25 jahre sparwassertor

Sonntag, Juni 21st, 2009

„Vor zehn Jahren: 25 Jahre Sparwassertor“ bedeutet diesmal: Dieser Tage begeht, wer so etwas begehen möchte, den 35-jährigen Einschlag jenes Balles, den Jürgen Sparwasser im Juni 1974 getreten hatte, im Netz des, wie man damals noch sagte: Hamburger Volksparkstadions.  Vor zehn Jahren untersuchte ich im Freitag, genauer: in der damaligen Kolumne „Sportplatz“, wieviel Vergleichbarkeit es zwischen Lothar Matthäus und Jürgen Sparwasser gibt: Ein Text vom 25. Juni 1999.

Sportplatz: Das Sparwasser-Tor

von martin krauss 

Am 22. Juni 1974 war Lothar Matthäus dreizehn Jahre alt und also zu jung, um in der deutschen Nationalmannschaft, westlicherseits, mitkicken zu dürfen. Daher wurde die Abwehr im Wesentlichen von Franz Beckenbauer, Berti Vogts und Horst-Dieter Höttges (68. für Hans Georg Schwarzenbeck) gebildet. Irgendwie kann man auch Paul Breitner noch mitzählen, aber in jenem Moment, kurz nach 21.00 Uhr im Hamburger Volksparkstadion, bestand die Abwehr der DFB-Elf nur noch aus dem ausgespielten Höttges, dem ausgespielten Vogts und dem am Boden liegenden Torwart Sepp Maier.

Jener Moment war eben jener, der umgangssprachlich nur noch „das Sparwasser-Tor“ heißt. Das 1:0 der DDR über, wie es westlicherseits immer hieß, Deutschland.

Dieses Tor hat Jürgen Sparwasser berühmt gemacht. Daß er wenige Wochen zuvor mit seinem FC Magdeburg Europapokalsieger wurde – egal. Daß er mit der DDR-Nationalelf 1972 olympisches Bronze holte – uninteressant. Daß er 271 Oberligaspiele mit 112 Toren sowie 53 Länderspiele mit 15 Toren absolvierte – gähn.

Nur eines seiner vielen Tore machte ihn wirklich berühmt. Und das kam so: Jürgen Sparwasser erlief einen weiten und schwer zu nehmenden Paß von Erich Hamann, legte sich den Ball mit dem Kopf vor, überrannte die vorgenannten Höttges und Vogts, schoß mit rechts und über Maier.

Drin war er.

So ein Moment war das.

Wie die Momente, als Bob Beamon und Ulrike Meyfarth mit jeweils einem Satz berühmt wurden. Oder Tracy Chapman und Joe Cocker mit jeweils einem Konzert. Oder mit dem Stehen auf jeweils einem metallen-eckigen Gegenstand Boris „Panzer“ Jelzin und Jo „Container“ Leinen.

Solche Momente eben.

Lothar Matthäus hat so etwas auch schon mal erlebt, beinahe jedenfalls. Nach dem Spiel der DFB-Elf bei der Fußball-WM 1990 gegen Jugoslawien wurde er Weltfußballer des Jahres, und Rekordfußballnationalspieler ist er ja auch mittlerweile. Berühmter aber wäre er, hätte er nach dem Jugoslawienspiel oder wenigstens nach dem gewonnenen Finale den Lafontaine gemacht, wie Manfred Krug sagen würde.

Zum Heldentum gehört halt auch ein entsprechender Abgang. Der läßt sich nicht planen, aber wer Stil hat, wird ihn schon finden.

Bob Beamon und Ulrike Meyfarth sportelten noch eine Weile weiter, Meyfarth immerhin mit einem zweiten Olympiasieg, und beide leben heute relativ unbehelligt vor sich hin. Tracy Chapman und Joe Cocker werden bis heute als Weltstars herumgereicht. Boris Jelzin und Jo Leinen sind heute bekanntlich beide sehr wichtig und schütteln manchmal sogar Gerhard Schröder die Hand. Lothar Matthäus verschießt heutzutage Elfmeter, und Jürgen Sparwasser ist Präsident der Vereinigung der Vertragsspieler.

Sparwasser hat das beste draus gemacht. Der Kollege Flankengeber von damals, Erich Hamann, jobbt heute als Sozialpädagoge in Eberswalde bei Berlin. Die Herren Gegner von damals sind, im Fall des Horst-Dieter Höttges, Handelsvertreter in Achim bei Bremen, oder, im Fall des Berti Vogts, arbeitslos in Kleinenbroich bei Korschenbroich und ziemlich schwer vermittelbar.

Es hat Sparwasser auch nicht geschadet, daß er in den Jahren, die seiner Heldentat folgten, in einer Gesellschaft lebte, die ihn mit Werbeträgerofferten eher nicht überhäufte. Erst 1990 erhielt er seinen ersten Auftrag: Während der WM trat er im Deutschen Fernsehfunk im „Ford“-Halbzeitstudio auf, um tragischerweise mitzuwirken an der Relativierung seines welthistorischen Moments. „Denn die Revanche für den den 22. Juni 1974“, schreibt der Politologe Klaus Hansen, „fand am 3. Oktober 1990 statt: Deutschland eins, DDR null.“ Auch das „Ford“-Halbzeitstudion hat diese Revanche ermöglicht.

„Wo waren Sie, als das Sparwasser-Tor fiel?“ heißt ein Buch, das die geschätzte Kollegin Elke Wittich vorgelegt hat, und in dem sich allerlei Menschen, unter anderem der soeben daraus zitierte Klaus Hansen, äußern, wo sie waren, als gerade mal kein Kennedy erschossen wurde und keine Mauer fiel.

Aber wer fragt schon, wo man war, als Lothar Matthäus seine hundert-ich-kann’s-mir-nicht-merken Länderspiele absolvierte. Das ist halt der Unterschied.

 

Aus: Freitag Nr. 26/99 vom 25. Juni 1999

metzelder

Freitag, Juni 19th, 2009

Der nicht nur sportlich massiv überschätzte Christoph Metzelder hat einen Vortrag gehalten. In der Berliner Humboldt-Uni und auf Einladung der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ sprach der Madrider Bankhocker über „Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft und Wettbewerb als Voraussetzung für die Entfaltung individueller Freiheit“. Dazu findet sich im Freitag ein sehr schöner und interessanter Text von Connie Uschtrin: Christoph Metzelder und die globalisierte Welt. Übrigens mit interessanter Leserbriefdebatte.

reals wirtschaft

Donnerstag, Juni 18th, 2009

Cristiano Ronaldo wechselt für 94 Millionen Euro von Manchester United zu Real Madrid. Das entspricht fast dem Angebot, das der österreichische Magna-Konzern und die russische Sberbank für den Autobauer Opel abgegeben haben. Dazu ein Kommentar von mir im Freitag – Ronaldo und die Real-Wirtschaft: „Man mag über die Berechtigung ­solcher Zahlungen streiten. Worüber man dagegen nicht streiten kann, ist die erwiesene Gemeinsamkeit des Sports mit den Banken und der Automobilindustrie: die Systemrelevanz.“

staat, geld, religion

Donnerstag, Juni 18th, 2009

staatspflicht.jpg Das Bundesverfassungsgericht hat die Regelung des Landes Brandenburg, jüdische Gemeinden zu finanzieren, für verfassungswidrig erklärt. Eine Recherche dazu, die ich gemeinsam mit meiner Kollegin Katrin Richter für die Jüdische Allgemeine anstellte: Staatspflicht.

kampfkunst und verbot

Montag, Juni 15th, 2009

Am Samstag fand in Köln das hierzulande mit dumpfen Grausen erwartete Freefight-Spektakel statt: Die amerikanische Firma UFC, internationaler Marktführer auf dem Gebiet professioneller Mixed Martial Arts (MMA) ließ erstmals in Kontinentaleuropa ihre Kämpfer in den Käfig. Heftige Verbotsforderungen gingen voraus. Dazu veranstaltete die taz eine Pro-Contra-Debatte, gegen MMA argumentiert mein Kollege Andreas Rüttenauer, dafür ich. Und eine bemerkenswerte Leserbriefdebatte schloss sich an.