mazel tough

Yuri Foreman ist Boxweltmeister. Der erste israelische Profi-Champ überhaupt, der erste jüdische Boxweltmeister seit 27 Jahren (und btw nicht seit 31 Jahren, wie teilweise berichtet wird). Darüber habe ich für die FAZ einen Artikel verfasst – das Gespräch mit Foreman, der aus Weißrussland stammt, in Israel groß wurde und seit etlichen Jahren in Brooklyn lebt, fand aber vor seinem WM-Kampf gegen Daniel Santos statt: Harter Box-Weltmeister und einfühlsamer Rabbi.

foreman-kom.jpg Nachtrag: Außer in der FAZ ist auch in der Jüdischen Allgemeinen ein Bericht von mir zu Foreman erschienen: Historische Schläge. In der JA hatte ich im September bereits ein Interview mit dem Boxer, der parallel zur Sportkarriere ein Rabbinatsstudium absolviert (bitte runterscrollen). 

Und weil mir dünkt, dass es zu begründen ist, warum die Religion und ein nachsportlicher Berufswunsch eines Profiboxers von Belang sein sollen (sie sind es ja üblicherweise zu Recht nicht), kopiere ich einen Kommentar, den ich in der aktuellen Ausgabe der JA veröffentlicht habe in dieses kraussblog. Da versuche ich zu erläutern, warum der Umstand, dass es eine ganze Reihe erfolgreicher Boxer gibt, die a.) aus der früheren Sowjetunion stammen, b.) in den USA leben und c.) Juden sind, sportsoziologisch interessant ist: Es sagt etwas über die Situation von Juden in der amerikanischen Gesellschaft aus. Hier gibt es den Kommentar als epaper: Durchschlagende Wirkung. Und hier reinkopiert:

Durchschlagende Wirkung

von Martin Krauß

Es gibt wieder jüdische Boxweltmeister! Yuri Foreman wurde es am Samstag, Dmitriy Salita kann es im Dezember werden. Wer akzeptiert, dass Sport mehr ist als bewegte Muskelmasse, kann an diesem Beispiel viel lernen.

Im Amerika des vergangenen Jahrhunderts waren immer solche Profiboxer besonders stark, deren soziale Gruppe gerade vor dem Aufstieg stand: erst die Polen, dann die Juden, die Italos, die Schwarzen und dann die Hispanics. Aus den USA, dem Land, das mit Joe Louis oder Muhammad Ali die prägendsten Boxer hervorbrachte, kommt aber schon seit geraumer Zeit kein Schwergewichts-Champ mehr. Heute heißen die Titelträger, für die Norman Mailer das schöne Bild vom »großen Zeh Gottes« fand, Klitschko und haben einen Doktortitel.

Auch in anderen Gewichtsklassen setzen sich mittlerweile die Boxer aus der früheren Sowjetunion durch. Oft leben sie in den USA, gar nicht so selten sind sie Juden und wie Foreman und Salita Orthodoxe. Sie zählen zu einer Sozialgruppe, die sich trotz guter Ausbildung durchschlagen muss. Und die sich wegen guter Ausbildung durchschlagen kann. Nicht nur im Ring.

One Response to “mazel tough”

  1. […] Ganz neu ist das Thema in diesem Blog nicht. Zu Yuri Foreman finden sich auch hier Links. […]