Archive for Dezember, 2009

textile klubpolitik

Samstag, Dezember 26th, 2009

Hapoel Tel Aviv kennt mittlerweile jeder HSV-Fan. Und dass dank Maccabi Haifa der israelische Fußball auch in der Champions League gut vertreten ist, sogar ohne Lothar Mattäus!, weiß man mittlerweile auch. So richtig gut steht der Profifußball in dem kleinen Land aber immer noch nicht da: Gegen die Vereinsspitze von Hapoel Petach Tikwa wird gerade ermittelt. Der Vorstand des abstiegsbedrohten Erstligisten hatte einen Einbruch in die Spielerkabine gemeldet. Dort sollen die Trikots der ersten Mannschaft gestohlen worden sein. Nun verdichtet sich aber der Verdacht, dass der Einbruch vorgetäuscht war. Der Verein hatte nämlich vergessen, das Logo der israelischen Lotto-Toto-Gesellschaft, die Sponsor der Ligat Ha’al ist, auf die Trikots zu drucken. Durch einen Trikotdiebstahl wäre man um eine Vertragsstrafe herumgekommen.

Zu Hapoel Tel Aviv und Hapoel Petach Tikwa ein kleiner Text in der Jüdischen AllgemeinenOberhaus und Unterwelt.

demjanjuk (3)

Samstag, Dezember 26th, 2009

Gegen John Demjanjuk wird gegenwärtig – endlich! – in München verhandelt. Es geht um die Frage, ob der gebürtige Ukrainer im Vernichtungslager Sobibor an der Ermordung von über 27.000 Juden beteiligt war. Daneben haben sich jüngst – zunächst in der Bild-Zeitung, kaum in anderen Medien – Meldungen eingefunden, wonach Demjanjuk im Jahr 1947 schuld am Tod eines jüdischen Holocaust-Überlebenden in Regensburg sein könnte. Als damaliger Fahrer der US-Army habe er einen Mann totgefahren. Die Staatsanwaltschaft Ulm ermittelt, und ich habe für die Jüdische Allgemeine dazu recherchiert: Ein in den USA lebender Mann hat sich gemeldet und sagt, der Getötete sei sein Vater, die Staatsanwaltschaft weiß noch nicht, ob es zu einem Ermittlungsverfahren kommt, und Demjanjuks Verteidiger glaubt, die Sache kommt aus „Absurdistan“: Unter Verdacht (bitte runterscrollen)

taz-kolumne (1): nichts gegen zidane!

Freitag, Dezember 18th, 2009

Am heutigen Freitag startete meine neue taz-Kolumne über Ball und die Welt, die nun künftig einmal monatlich erscheinen wird. Alternierend mit anderen Kolumnisten schreibe ich regelmäßig über die Politik des Fußballs. Die Kolumne wird, auch wenn der heutige Freitag der Starttag war, immer am Donnerstag im taz-Sportteil erscheinen.

Den Auftakt macht ein Text, der sich mit der Frage beschäftigt, warum Zinédine Zidane zum Objekt einer Zeitungsente wurde und welchen Schaden eine solche Instrumentalisierung des Sports bewirkt.

Zum Auftakt kopiere ich den Text mal hier rein:

Nahost-Ente Zidane

Nichts gegen Zinédine Zidane! Schon deswegen nicht, weil der frühere Fußballer böse werden könnte. Und dann, so glaubt man seit dem WM-Finale 2006 zu wissen, nickt der Franzose mit seinem unbehaarten Kopf. Anfang Dezember meldete die israelische Boulevardzeitung Yedioth Acharonot, Zidane wolle im März als Unicef-Botschafter den Gazastreifen besuchen. „Die Menschen dort haben schwere Verluste, Schäden und Verletzungen durch die israelischen Gewaltakte erlitten“, wurde Zidane zitiert. Er aber wolle dafür sorgen, dass die Bewohner wieder Grund zu einem „großen Lächeln“ hätten.

Nichts gegen lächelnde Menschen in Gaza! Schon deswegen nicht, weil dort ein nicht gerade kleiner Teil der männlichen Bevölkerung bewaffnet ist. Doch die Meldung vom helfenden Zidane ist falsch: Die UNO dementiert, Zidane dementiert, herausgefunden hat es eine andere israelische Zeitung, die Jerusalem Post. Wer die Ente in die Welt gesetzt hat, ist nicht bekannt. Yedioth Acharonot hat sie mittlerweile aus ihrem Onlineportal entfernt. „Es sieht so aus, als sei es ein Internetgerücht“, heißt es bei der UNO. Die Jerusalem Post hat Hinweise, dass es aus einem Palestinian Information Center stammt. Doch dieser Hamas-freundliche Dienst berichtet zwar fleißig über „Judeo-Nazis“, über „Apartheid-Israel“ und „zionistischen Terror“, die Zidane-Meldung findet sich jedoch nicht. Es bleibt also offen.

Die Frage, warum das Gerücht Verbreitung fand, lässt sich schon eher beantworten: Die israelische Armee hat ja tatsächlich schweren Schaden im Gazastreifen angerichtet – warum sollte sich ein Weltstar da nicht engagieren? Nun ist Zidane zwar nicht Unicef-Botschafter, sondern für UNDP im Einsatz, das United Nations Development Program – aber warum sollte man das nicht mal verwechseln dürfen? Und: Die Information war ja zunächst von einer Sprecherin des Kinderhilfswerks bestätigt worden – die Frau benötigte dann allerdings eine Weile, um eine kaum bemerkte Korrektur an die Agenturen zu mailen. Schließlich: Zidane ist, wie das Gros der Gazabewohner, Muslim – warum sollten ihm die palästinensischen Kinder nicht mehr am Herzen liegen als die Kinder von Sderot, der israelischen Stadt, die immer noch von Hamas-Raketen beschossen wird?

Kurz: Die Meldung war für die Redaktionen glaubwürdig im Sinne von: wird schon stimmen. Und welchen Schaden richtet sie schon an? Dass UNO-Hilfsprojekte als „Wir verschicken irgendeinen Weltstar irgendwohin“ präsentiert werden? Nebbich. Dass, ohne ihn je gefragt zu haben, der Eindruck entsteht, Zidane verurteile Israel, aber schweige zum Terror der Hamas? Who cares! Oder dass sich Kinder in diesem kriegsgebeutelten Landstrich umsonst darauf gefreut haben, mal mit einem Weltstar pölen zu dürfen? Ach Gottchen! Kinder!

Das alles ist doch kein Schaden, für den sich eine nennenswerte Zahl von Journalisten schämen würde. Die Meldung, die vorgeblich den Fußballstar als guten Menschen erscheinen lassen wollte, beschädigt aber auch Zinédine Zidane selbst. Dem Franzosen mit algerischen Wurzeln wird nämlich das Recht auf eine eigene Meinung abgesprochen. Ihm wird einfach ein, sagen wir’s höflich: israelkritisches Zitat untergeschoben, von dem man vermutet, dass er es schon gesagt haben wird. Vielleicht, weil er Moslem ist. Vielleicht auch, weil er, wie es dann gerne heißt: nur Fußballer ist.

Daher ist diese Meldung, die doch das humanitäre Potenzial des Fußballs zeigen sollte, perfide. Mit Fußball hat das alles nichts zu tun.

Martin Krauß (taz, 18. Dezember 2009)

it’s quite cold, isn’t it?

Mittwoch, Dezember 16th, 2009

Das Verhältnis zwischen Großbritannien und Israel befindet sich auf dem Tiefpunkt: Gegen Israels frühere Außenministerin Zipi Livni wurde ein (mittlerweile wieder aufgehobener) Haftbefehl ausgestellt, Waren, die in den besetzten Gebieten produziert wurden, sollen künftig gesondert deklariert werden: Eine Recherche dazu, die ich gemeinsam mit meinem Kollegen Pierre Heumann, der für die Jüdische Allgemeine aus Israel berichtet, durchführte: Haft und Handel.

Verwiesen sei in diesem Zusammenhang auch auf die noch nicht so lange zurückliegende Geschichte rund um das Europaligaspiel von Hapoel Tel Aviv bei Celtic Glasgow: Fahnen schwenken für Palästina. Zur Frage, was Hapoel Tel Aviv, das am morgigen Donnerstag gegen den Hamburger SV spielt, für ein Klub ist, findet sich übrigens in der (morgigen Donnerstags-)taz ein sehr lesenswertes Interview: „Sie werden bespuckt und angegriffen“ mit Rifaat Tourk, einem früheren Hapoel-TA-Spieler, der als erster Araber in der israelischen Nationalmannschaft kickte. Tourk, auch genannt „Jimmy, die Rakete“, wird in der aktuellen Jüdischen Allgemeinen porträtiert (bitte runterscrollen). Porträt und Interview stammen von meinem Kollegen Torsten Haselbauer.

deutsche zustände

Mittwoch, Dezember 9th, 2009

Jüngst kam die Studie „Deutsche Zustände“ heraus, die unter anderem die Entwicklung von Antisemitismus in Deutschland einer Langzeituntersuchung unterzieht. Über die Ergebnisse sprach ich für die Jüdische Allgemeine mit Andreas Zick, der gemeinsam mit Wilhelm Heitmeyer das Forschungsprojekt leitet: „Stereotype sind fest verankert“. Unter anderem führt er zum Zusammenhang von Wirtschaftskrise und Antisemitismus dies aus: „Wir haben zum Beispiel danach gefragt, wer die Urheber der Krise sind und einige Antwortmöglichkeiten vorgegeben, unter anderem ‚Banker’ und ‚Spekulanten’. Wer solche Aussagen bejaht, muss zwar nicht zwingend antisemitisch gesinnt sein. Auffallend ist aber, dass viele derjenigen, die Banker und Spekulanten für die Krise verantwortlich machen,  sich bei anderen Fragestellungen klar judenfeindlich äußern. Das zeigt, wie sehr Stereotype verankert sind: ‚Banker’ und ‚Spekulanten’ werden oft mit Juden gleichgesetzt.“

über box und die welt

Mittwoch, Dezember 9th, 2009

Mit dem Boxen die Welt verstehen. Diesen originellen Ansatz verfolge ich diesmal im Freitag: Es geht um das jüngst zu beobachtende Phänomen, dass es wieder jüdische Weltklasseboxer gibt. Yuri Foreman wurde WBA-Superweltergewichts-WM, und Dmitriy Salita scheiterte am Wochenende beim Versuch, WBA-Superleichtgewichts-WM zu werden. Salita und Foreman haben ein paar interessante Gemeinsamkeiten. Sie stammen aus der früheren Sowjetunion, haben eine gute Ausbildung, sind unter Dreißig, studieren an einer Yeshiwa und haben auch eine nicht ganz kleine Fangemeinde bei orthodoxen Juden, vor allem in New York, wo sie beide leben. Der Frage, ob es eine Renaissance jüdischen Boxens gibt, gehe ich in diesem Artikel nach: David vs. Goliath. In der Onlineausgabe des Freitag findet sich auch eine sehr schöne Fotostrecke zu Salita.

mit welcher fahne zum fußball?

Freitag, Dezember 4th, 2009

Der schottische Gewerkschaftsbund, abgekürzt STUC, wollte mal was richtig Internationalistisches tun: Beim Fußballspiel der Europaliga zwischen Celtic Glasgow und Hapoel Tel Aviv am vergangenen Mittwochabend (es endete 2:0 für Celtic) sollten, ginge es nach STUC, 10.000 Palästina-Flaggen geschwungen werden – um gegen Israel zu demonstrieren. Die Aktion ging zum Glück schief. Ein Artikel von mir dazu auf ZeitOnlineFahnen schwenken für Palästina.

sportrecht, menschenrecht

Mittwoch, Dezember 2nd, 2009

 

ai-journal.jpg Bei der (noch nicht erfolgreichen) Suche danach, ob ein aktueller Kommentar, den ich für das amnesty journal schrieb, auch online zu lesen ist (was ja dazu führte, dass ich ihn hier verlinkte), fand ich immerhin, dass zwei andere Artikel – ein Kommentar und ein Essay -, die ich früher für das (i.Ü. sehr lesenswerte) Magazin von amnesty international schrieb, zu finden sind: Die Kolumne Nur Fußball aus dem Mai 2006. Und das Essay Spiele mit Grenzen aus dem Juni 2008.

Das amnesty journal ist übrigens auch neuerdings am Kiosk zu erwerben.