Archive for März, 2010

reanimiert jogi löw!

Dienstag, März 30th, 2010

Im Kicker-Kolumnisten-Kreis tummeln sich nur unsere Besten. So zum Beispiel Joachim Streich, Rekordnationalspieler der DDR, Rekordtorschütze der DDR-Oberliga und nach der Wende – am 1. Juli 1990, als es die DDR noch gab und er noch einen DDR-Pass hatte – der erste DDR-Trainer im Westen, nämlich bei Eintracht Braunschweig in der Zweiten Bundesliga.

Schon immer kompetent also. Und jetzt deutet Streich im Fachblatt Kicker das offenbar nicht ganz finale Ableben des (trotzdem noch amtierenden?) Bundestrainers an: „Die Bundesliga lebt und überrascht immer wieder. Es wäre schön, wenn man das demnächst auch von Joachim Löw behaupten könnte.“

leipsch

Samstag, März 27th, 2010

Die Jungle World hat einen Schwerpunkt zum Fußball in Leipzig gesetzt (die Gründe mögen vielleicht nicht nahe liegend sein, aber bei aufmerksamer Lektüre dürfte sich erschließen, dass und warum man sich nach der Beschäftigung mit der Leipziger Kickerei vieles erklären kann). Ich wurde gebeten, einen Kommentar dazu verfassen, und habe es getan – Das ist nicht mein Laden: „Es ist gleichgültig, ob man politisch oder fußballerisch über Leipzig spricht, der Befund ist immer gleich: Früher war viel los, heute ist’s trostlos. Das fängt vielleicht schon damit an, dass die Rede, der Fußball spiegele die Gesellschaft wider, beinah überall auf der Welt abgeschmackt ist – außer in Leipzig. So sehr läuft die Stadt jeder Entwicklung hinterher, dass hier sogar dieser überholte Spruch noch stimmt.“

zwanziger, draufgelegt

Donnerstag, März 25th, 2010

Einen Versuch, die Amerell-Affäre im DFB auch (das Wörtchen auch ist nicht ganz unwichtig) als Machtkampf zu erklären, nämlich zwischen den Vertretern des alten DFB, der männerbündisch, ehrenamts- und stammtischorientiert ist auf der einen Seite und den kapitalistischen Modernisierern, die sich vor allem in der DFL finden, auf der anderen Seite, findet sich in der neuen Jungle WorldAmt und Ehre.

ach, europaparlament (2)

Donnerstag, März 25th, 2010

Das Europaparlament hat eine Entschließung verabschiedet, mit der es sich positiv auf den sog. Goldstone-Report bezieht, jenen Bericht, den der südafrikanische Richter Robert Goldstone zum Gazakrieg angefertigt hat. In der letzten Woche berichtete ich darüber (Brüsseler Speerspitzen, in: Jüdische Allgemeine 11/2010),

Diesmal habe ich Reinhard Bütikofer, grüner Spitzenpolitiker in Brüssel, für die Jüdische Allgemeine dazu befragt, warum er und seine Fraktion diesem Antrag zugestimmt haben: Erhebliche Differenzen.

sportjournalismus (2)

Mittwoch, März 24th, 2010

Es steht mal wieder eine Revolution des Sportjournalismus an. Ausnahmsweise werden diesmal nicht die „Holzmedien“ abgeschafft, sondern heute geht es um Inhalte. Und zwar um solche: „Die amerikanische Statistik-Firma StatSheet hat angekündigt, diesen Sommer ein Programm zu veröffentlichen, das automatisch Spielberichte zu College-Basketballspielen schreibt“, heißt es im Onlinedienst meedia.de. „Das Programm wertet Statistiken aus und formuliert aufgrund von Satzbausteinen komplette Texte.“

So wird das dann wohl sein: Da werden „Spielberichte zu Spielen“ geschrieben und „aufgrund von Satzbausteinen“ formuliert.

Als ich auf statsheet.com klickte, um mir diese Revolution mal genauer anzuschauen, fand sich zunächst nur dies: „Whoops! There was an error processing this page“. Vermutlich ein weiterer Hinweis, wie toll diese Revolution wird.

Interessant finde ich hingegen solche Fragen: Wer soll für das Lesen solch programmierter Sätze Geld bezahlen? Und was erzählen solche Anbieter ihrer Bank, an welche Zielgruppe sie wohl gedacht haben?

Vielleicht entstehen solche Geschäftsideen ja, wenn sich die künftigen Journalismusrevolutionierer den aktuellen Sportjournalismus anschauen. Dem sieht man ja oft auch nicht an, dass er von denkenden Individuen praktiziert wird.

In Berlin erscheint etwa die neue Tageszeitung Der Sport-Tag, die diese Unterzeile produziert hat:

„Ex-Club Hertha BCS zu Gast in Wolfsburg“.

Das dürfte schon nah dran sein am revolutionären Traum der Firma StatSheet.

system zwanziger

Sonntag, März 21st, 2010

zwanziger.jpg In den Berichten und Kommentaren zum Fall Amerell, der ja manchmal auch als Fall Zwanziger behandelt wird, lässt sich für meinen Geschmack recht wenig über strukturelle Gründe des Konflikts finden. Im Freitag versuche ich mich daran: ein Beitrag zum „System Zwanziger“, welche Rolle die DFL spielt, warum der DFB 47 Vorstandsmitglieder hat und was das alles mit Michail Gorbatschow zu tun hat – Hang zum Männerbündischen.

ach, europaparlament

Samstag, März 20th, 2010

Dem etwas irritierenden Beschluss des Europaparlaments, die EU möge darauf hinwirken, dass die Empfehlungen des sog. Goldstone-Reports umgesetzt werden – zu einem Zeitpunkt, zu dem bislang nur der UN-Menschenrechtrat, aber weder die UN noch das (warum sich eigentlich zuständig fühlende?) Europaparlament den Report geprüft und debattiert haben – bin ich für die Jüdische Allgemeine nachgespürt. Ergebnis der Recherche: Es ist leider doch nicht so irritierend – Brüsseler Speerspitzen.

Gleichfalls in der Jüdischen Allgemeinen widme ich dem hübschen Umstand, dass das International Cricket Council, das seinen Sitz in Dubai hat, den israelischen Kricketverband für diverse Integrationsobjekte geehrt hat, einen Kommentar: Dabei in Dubai.

jüdische allgemeine online!

Donnerstag, März 11th, 2010

ja-online.jpg Der Online-Auftritt der Jüdischen Allgemeinen steht!

Damit ist das Ende des auf ePapers hoch- und runterscrollen verkündet. Und gleichzeitig die Möglichkeit, Texte, die in der Jüdischen Allgemeinen erschienen sind, auch via Google zu suchen.

In der aktuellen Ausgabe – und eben auch in der Online-Ausgabe – ein kleiner Text, den ich gemeinsam mit meiner Kollegin Katrin Richter verfasste: Islamkonferenz wird fortgesetzt.

taz-kolumne (4): was in simbabwe so los ist

Donnerstag, März 11th, 2010

„Simbabwes Fußballchefin hat Fifa-Equipment gestohlen“, lautete eine Schlagzeile in der Presse des südafrikanischen Landes. Ein schöner Grund, wie ich finde, mich im Rahmen meiner monatlichen taz-Kolumne über ball und die welt, mit den inneren und äußeren Bedingungen des Fußballs in Simbabwe zu beschäftigen: Die Strohfrau der Fifa. Allmonatlich wird hier die Politik des Fußballs und das Fußballelement in der Politik beleuchtet. Vorher sind schon interessante Fälle im Gazastreifen, in Indien und auf den Fidschi-Inseln erörtert worden.

Aber der Versuch, mit dem Fußball die Welt zu verstehen, geht weiter.

sport und kritik

Montag, März 8th, 2010

Was macht kritischen Sportjournalismus aus? Für die taz habe ich mich ins Archiv begeben und mehrere Jahrgänge des Daily Worker studiert, der Tageszeitung der Kommunistischen Partei der USA, die von 1924 bis 1958 erschien. Ab 1936 hatte dieses durchaus vom Stalinismus geprägte und alles andere als zu lobhudelnde Blatt einen bemerkenswerten Sportteil, maßgeblich von Lester Rodney gestaltet. Rodney starb Ende 2009, und ich hatte schon für einige Blätter Nachrufe auf ihn verfasst. Nun also nicht nur ein Porträt Rodneys – In der Nische -, sondern auch ein gekürzter und sehr programmatischer Kommentar, den Rodney im August 1941 veröffentlichte: Eine Sportseite des Volkes.

Ein Auszug: „Wir machen eine antifaschistische Sportseite, eine Sportseite des Volkes. Wir tragen nicht die Politik in den Sport, aber wir zeigen, dass das Sportleben eines Landes nicht losgelöst werden kann von allem, das um es herum existiert. Verstehen Sie uns nicht falsch: Wir sind weit davon entfernt, alles richtig zu machen, und das wissen wir auch. Weil wir nicht die Möglichkeiten der anderen Zeitungen haben, können wir nicht jedem Detail so nachgehen, wie wir es gerne täten.“