sport und revolutionäre politik

Diesen nicht für jeden nahe liegenden Zusammenhang erläutert eines der diesbezüglich kompetentesten Periodika deutscher Sprache:

Ist Fußball Revolution?

Das klingt irre, war aber wahr.

Noch mehr zum Thema findet sich im gesamten Aufsatz.

2 Responses to “sport und revolutionäre politik”

  1. Eberhard sagt:

    Also, dazu ist ja nun wirklich einiges zu zu sagen.
    1.) Hat Malte Oberschelp eigentlich an dem Drehbuch mitgewirkt? Schließlich hat er (ich denke vor Drehbeginn) seine Koch-Biografie, basierend auf echten Quellen und so, im Verlag die Werkstatt veröffentlicht.

    Zum Artikel von diesem so genannten Starreporter Norbert Körzdörfer in der Bild:
    2.) Nein, „Noch im Jahre 1912 war allen Schülern in Bayern ,das Spiel mit dem Fußball‘ untersagt“ und nicht bis 1927, wie der Herr schreibt. Ich zitiere das hier sogar aus dem Wikipedia-Artikel über Koch. Den hätte der Herr vielleicht doch mal lesen können.
    3.) Dort hätte er auch erfahren, dass Kochs Kollege „August Hermann (…) einen Rugbyball aus Großbritannien besorgt“ hatte. Koch selbst war gar nicht in England gewesen, wie Körzi behauptet, sondern Hermanns Schwester ziemlich regelmäßig. Ob er diese historische Ungenauigkeit aus dem Film übernommen hat, weiß ich nicht, da ich ihn nicht gesehen habe. Aber ein wenig genauer hätte er das gerne wissen dürfen.

    Zum Film selbst:
    4.) Wieso spielen die in dem Filmtrailer mit einem runden Fußball, wenn der Koch angeblich einen Rugbyball, also ein Ei zur Verfügung hatte?
    5.) Das mit dem Film klappt auch nur dann, wenn die anderen Lehrer gegen Fußball gewesen wären. Angeblich wurde der neue Sport vom Kollegium mitgetragen, die Turner waren allerdings wirklich dagegen.
    6.) War Koch selbst der Fußball nicht geheuer. Er war gar nicht so begeistert davon, hielt es aber als die Jugend begeisternde Körperertüchtigung für wichtiger. In erster Linie war er selbst Turner und kommt aus dieser Bewegung. Oder wie Malte bereits auf Seite 7 in seiner Einleitung schreibt: „Koch propagierte den Fußball als Ausgleichssport für das Hallenturnen.“ Was später aus dem Fußball wurde, lehnte er ab.
    7.) Ob er tatsächlich das erste Fußballspiel auf deutschem Boden (schön, dass ich das auch einmal schreiben durfte: „auf deutschem Boden!) hat austragen lassen, kann man auch bezweifeln. Aber das nur am Rande.

    Wenn man nur diese paar Punkte zusammenträgt (und etliche, für die ich einfach länger als fünf Minuten bräuchte, um nachzuschauen, fehlen noch), scheint der Film nur möglich, wenn er etliche historische Tatsachen außer Acht lässt. Aber dann fehlt natürlich die Fallhöhe und das dramatische Moment. Auch ohne den Film gesehen zu haben, nur aus Artikeln und kurzen Vorschauen, ahne ich die Handlung und sage: In echt war das ganz anders. Der Film aber wäre vielleicht zu langweilig und heutigen Zuschauern nur schwer zuzumuten, wenn er sich an die historische Realität hielte.

    Kurz und gut: „Stürzt ein ovales Leder-Ei den deutschen Kaiser? Ist Fußball Revolution? Das klingt irre, war aber wahr“, schreibt Körzdorfer. Ehrlich, so sehen Revolutionen aus, wenn es nach der Bild-Zeitung geht? Interessant. Oder um es mit einem beliebten Bonmot aus der englischen Fan-Szene zu sagen: „Go fuck yourself.“

    Eberhard

  2. admin sagt:

    Ein INterview mit Malte Oberschelp erscheint voraussichtlich in der nächsten Jungle World (am 3.3.11 – online wird es in der REgel etliche Tage später erst gestellt).
    Best,
    Martin