Archive for the ‘boxen’ Category

schmeling

Sonntag, Januar 31st, 2010

Vor fünf Jahren starb Max Schmeling, und vor fünf Jahren, drei Wochen nach seinem Tod, erschien meine Biografie „Schmeling. Die Karriere eines Jahrhundertdeutschen“, für die ich hier gerne gleichermaßen scham- und erfolglos Werbung machen möchte. (Der Zusammenfall vom Tod des 99-jährigen Schmeling und meiner Biografie war allerdings nicht geplant.) Am 2. Februar, Schmelings Todestag, senden die Radioprogramme WDR 3, WDR 5 und NDR-Info in der Reihe Zeitzeichen das Porträt Schmelings der Autorin Susanne Rabsahl, die mich dafür interviewt hat. Vermutlich ein Radiotipp, den weder ich, noch die Leser dieses Blogs bereuen: WDR 5 um 9.05h, WDR 3 um 17.45h, NDR Info um 20.15h.

here comes the story of juergen braehmer

Donnerstag, Januar 14th, 2010

Jürgen Brähmer, immerhin amtierender Halbschwergewichts-Weltmeister des Profiboxverbandes WBO, wurde jngst vom Amtsgericht Schwerin zu einer 16monatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt.  Er habe im September 2008 in einer Bar in Schwerin eine Frau mit einem Schlag ins Gesicht schwer verletzt.  Einem Pressebericht ist dieses bemerkenswerte Detail über die Strategie der Verteidigung zu entnehmen: „Im aktuellen Prozess hatte die Verteidigung den Song ‚Hurricane’ von Bob Dylan per Laptop eingespielt. Darin geht es um den US-amerikanischen Boxer Rubin Carter, der 1966 in einem umstrittenen Verfahren wegen dreifachen Mordes verurteilt wurde.“

über box und die welt

Mittwoch, Dezember 9th, 2009

Mit dem Boxen die Welt verstehen. Diesen originellen Ansatz verfolge ich diesmal im Freitag: Es geht um das jüngst zu beobachtende Phänomen, dass es wieder jüdische Weltklasseboxer gibt. Yuri Foreman wurde WBA-Superweltergewichts-WM, und Dmitriy Salita scheiterte am Wochenende beim Versuch, WBA-Superleichtgewichts-WM zu werden. Salita und Foreman haben ein paar interessante Gemeinsamkeiten. Sie stammen aus der früheren Sowjetunion, haben eine gute Ausbildung, sind unter Dreißig, studieren an einer Yeshiwa und haben auch eine nicht ganz kleine Fangemeinde bei orthodoxen Juden, vor allem in New York, wo sie beide leben. Der Frage, ob es eine Renaissance jüdischen Boxens gibt, gehe ich in diesem Artikel nach: David vs. Goliath. In der Onlineausgabe des Freitag findet sich auch eine sehr schöne Fotostrecke zu Salita.

mazel tough

Montag, November 16th, 2009

Yuri Foreman ist Boxweltmeister. Der erste israelische Profi-Champ überhaupt, der erste jüdische Boxweltmeister seit 27 Jahren (und btw nicht seit 31 Jahren, wie teilweise berichtet wird). Darüber habe ich für die FAZ einen Artikel verfasst – das Gespräch mit Foreman, der aus Weißrussland stammt, in Israel groß wurde und seit etlichen Jahren in Brooklyn lebt, fand aber vor seinem WM-Kampf gegen Daniel Santos statt: Harter Box-Weltmeister und einfühlsamer Rabbi.

foreman-kom.jpg Nachtrag: Außer in der FAZ ist auch in der Jüdischen Allgemeinen ein Bericht von mir zu Foreman erschienen: Historische Schläge. In der JA hatte ich im September bereits ein Interview mit dem Boxer, der parallel zur Sportkarriere ein Rabbinatsstudium absolviert (bitte runterscrollen). 

Und weil mir dünkt, dass es zu begründen ist, warum die Religion und ein nachsportlicher Berufswunsch eines Profiboxers von Belang sein sollen (sie sind es ja üblicherweise zu Recht nicht), kopiere ich einen Kommentar, den ich in der aktuellen Ausgabe der JA veröffentlicht habe in dieses kraussblog. Da versuche ich zu erläutern, warum der Umstand, dass es eine ganze Reihe erfolgreicher Boxer gibt, die a.) aus der früheren Sowjetunion stammen, b.) in den USA leben und c.) Juden sind, sportsoziologisch interessant ist: Es sagt etwas über die Situation von Juden in der amerikanischen Gesellschaft aus. Hier gibt es den Kommentar als epaper: Durchschlagende Wirkung. Und hier reinkopiert:

Durchschlagende Wirkung

von Martin Krauß

Es gibt wieder jüdische Boxweltmeister! Yuri Foreman wurde es am Samstag, Dmitriy Salita kann es im Dezember werden. Wer akzeptiert, dass Sport mehr ist als bewegte Muskelmasse, kann an diesem Beispiel viel lernen.

Im Amerika des vergangenen Jahrhunderts waren immer solche Profiboxer besonders stark, deren soziale Gruppe gerade vor dem Aufstieg stand: erst die Polen, dann die Juden, die Italos, die Schwarzen und dann die Hispanics. Aus den USA, dem Land, das mit Joe Louis oder Muhammad Ali die prägendsten Boxer hervorbrachte, kommt aber schon seit geraumer Zeit kein Schwergewichts-Champ mehr. Heute heißen die Titelträger, für die Norman Mailer das schöne Bild vom »großen Zeh Gottes« fand, Klitschko und haben einen Doktortitel.

Auch in anderen Gewichtsklassen setzen sich mittlerweile die Boxer aus der früheren Sowjetunion durch. Oft leben sie in den USA, gar nicht so selten sind sie Juden und wie Foreman und Salita Orthodoxe. Sie zählen zu einer Sozialgruppe, die sich trotz guter Ausbildung durchschlagen muss. Und die sich wegen guter Ausbildung durchschlagen kann. Nicht nur im Ring.

boxverbändewirrwarr

Sonntag, November 1st, 2009

Etwas zeitlos und dafür grundsätzlicher versuche ich in der Jungle World die Bedeutung des Super Six World Boxing Classic zu erläutern - Showtime für die Super Six: „Auch wenn es Klasseboxer gibt, die beim Super-Six-Turnier nicht teilnehmen dürfen – dass die sechs Boxer, die jetzt dabei sind, zu den Top Ten dieser Gewichtsklasse zählen, steht außer Frage. Und das hat zur Folge, dass Schluss mit der Praxis von Managern und Promotern ist, für ihre Schützlinge handverlesene Gegner zu suchen, die nur verpflichtet werden, um den Titel des Boxers nicht zu gefährden und den Kampfrekord mit notierten »null Niederlagen« makellos zu halten. Denn statt den Interessen der Verbände, die meist in der Hand einzelner Promoter sind, die wiederum oft Exklusivverträge mit Fernsehsendern haben, steht nunmehr die erwartete Nachfrage im Mittelpunkt.“

außenseiter, spitzenreiter (2)

Dienstag, Oktober 20th, 2009

Auch in der gestrigen taz habe ich mich dem Boxkampf von Arthur Abraham vs. Jermain Taylor gewidmet: Einer für die Geschichtsbücher? (Dass ich den Kampf Seit’ an Seit’ mit Wolf Wondratschek geguckt habe, fließt hoffentlich nicht in die Berichterstattung ein.)

außenseiter, spitzenreiter

Sonntag, Oktober 18th, 2009

Gestern abend in Berlin: Arthur Abraham gewinnt durch beeindruckenden K.o. den Auftaktkampf der „Super Six World Boxing Classic“. In der 12. Runde kam er mit einer Rechten durch und schlug mit Jermain Taylor aus den USA einen der erfahrensten Boxer dieses hochspannenden Turniers. Mehr dazu von mir auf SpiegelOnlineK.o.-Sieg macht Abraham zum Tabellenführer.

VOR ZEHN JAHREN: the zion lion

Mittwoch, September 9th, 2009

Mal wieder eine Rückschau auf das Jahr 1999: Im September 99 boxte Regina Halmich gegen Jill Matthews: Punksängerin, Friseuse, Ernährungsberaterin und überzeugte Jüdin aus New York. Ein Porträt von der Frau, deren Kampfname „The Zion Lion“ ist, aus der Süddeutschen Zeitung vom 17. September 1999.

Matthews verlor übrigens in Stuttgart eindeutig nach Punkten. Laut dem (meist sehr zuverlässigen) boxrec.com hat Matthews danach keinen Kampf mehr bestritten.

 

jill-matthews-reporter.jpg Die schrille Jill und ihre Lust an der Provokation

von martin krauss 

Regina Halmich könnte am Samstag was zu hören bekommen. Nämlich dies: “I saw you walking down the street / and kicked you in the balls / I think I saw your girlfriend / well I punched her in the face / cause I hate the both of you / You’re a fuckin’ disgrace” (”Ich sah, wie du die Straße hinunter gingst / und trat dir in die Eier / Ich glaube, ich habe deine Freundin gesehen / und schlug ihr ins Gesicht / denn ich hasse Euch beide / ihr seid eine verfickte Schande”).

So singt nämlich die Gegnerin der deutschen Profibox-Weltmeisterin. Sie heißt Jill Matthews, ist gebürtige New Yorkerin und hört auf den Kampfnamen “The Zion Lion”. Wenn sie nicht gerade ihrem Beruf als Profiboxerin nachgeht, und auch ihre Nebenjobs Hairdresser und Ernährungsberaterin vernachlässigt, dann ist Jill Matthews, 34, Frontfrau der New Yorker Punkband “Times Square”, die schon zwei CDs herausgebracht hat. Matthews singt nicht nur, sie textet und komponiert auch, und ihr Ehemann hockt an den Drums. Der heißt David Turetsky, ist der Sohn eines bekannten Rabbis in White Plaint, New Jersey, arbeitet als Anwalt für Arbeitsrecht in einer renommierten Kanzlei in der Park Avenue von Manhattan, und ganz nebenbei managt er seine boxende Gattin.

Sie fing erst im Alter von Ende zwanzig mit dem Boxen an und hatte als Amateurin gleich historischen Erfolg. 1995 wurde sie nämlich die erste Golden Gloves-Siegerin überhaupt. Der Finalsieg war der zweite Amateurkampf ihres Lebens.

“Dann wollten die Promoter, dass aus mir ein Profi wird”, erzählt sie, “doch ich glaubte an, das wäre ein großer Joke, also sagte ich ‘Yeah’ und ‘O.k.’ und ‘ich werde es schon schaffen’.”

Ihren ersten Kampf verlor sie dann aber. Es war ein technischer K.o. in der 2. Runde gegen Anissa Zamarron. Danach nahm sie die Sache ernster, trainierte lange Zeit als einzige Frau in New Yorks legendärem Gym “Gleason’s” in Manhattan, boxte sich hoch und gewann fast nur noch.

Mittlerweile trainiert sie in einem Gym in Brooklyn bei Lennox Blackmore, einem aus Guinea stammenden früheren British-Empire-Meister.

Der verpasste ihr auch nach ihrer zweiten und bislang letzten Profi-Niederlage ihren Kampfnamen “The Zion Lion”, zumindest die zweite Hälfte. Nach einem Kampf 1997 in Dänemark gegen Sengul Ozokcu, den sie nach Punkten verlor, sagte er: “Du hast das Herz eines Löwen”. Nur um ihre Flugangst zu überwinden hätte sie zugesagt, erzählte sie in einem Interview mit der im Internet erscheinenden Fachzeitung “Cyber Boxing Zone”, der Zehn-Stunden-Flug habe sie sehr angestrengt, und dann sei da noch ein ermüdender Bus-Shuttle von Kopenhagen zum Veranstaltungsort Randers gewesen: “Weil ich eine Jüdin bin, war es für mich bisschen, als ob ich spürte, wie es den Juden im Zug nach Auschwitz erging.”

Provokationen wie diese, die über die Geschmacksgrenze hinaus gehen, hat die Punkerin und Anwaltsgattin auch in anderen Bereichen auf Lager. In einem neueren Interview sagt Matthews, sie verstünde gar nicht, warum die Lesben sie nicht leiden könnten, “ich dachte immer, ich wäre so etwas, wie eine Göttin für sie”.

Die Lust am Provozieren begann bei ihr in der Schule. In den Pausen verprügelte sie oft ihre schwarzen und Hispanic-Klassenkameraden, und brüllte dabei: “Für die Juden! Die Russischen Juden! Stark wie ein Stier!”

“Ich glaube”, sagte sie mal in einem Interview, “das größte Problem der Juden heutzutage ist, dass sie das Ausmaß des Antisemitismus nicht begreifen. Wissen Sie, woher ich das weiß? Weil mich niemand für eine Jüdin hält. Da bin ich so etwas wie die Fliege an der Wand und registriere alles. Immer wieder höre ich, wie die Juden so seien. Und immer antworte ich: ‘Yeah, ich weiß, ich bin selber Jüdin.’”

Im März 1998 wurde die Löwin Zions endlich Weltmeisterin im Junior-Fliegengewicht. Nach ihrer Niederlage 1995 und nach einem Unentschieden im Januar 1998 war es Matthews im dritten Anlauf endlich gelungen, Anissa Zamarron zu schlagen. Bis vor wenigen Wochen trug Matthews die Weltmeistertitel der Verbände IFBA und IWBF. Doch die IWBF erkannte ihr den Titel Anfang September ab, denn sie habe es versäumt, Verträge für Pflichtverteidigungen zu unterschreiben. Und die IFBA ließ ohne weitere Begründung mitteilen, daß der Junior-Fliegengewichts-Titel vakant sei.

Nun, am Samstag in Stuttgart (live übertragen im DSF), kämpft Jill Matthews um den Fliegengewichtstitel des dritten Verbandes im Weltfrauenboxen, der WIBF. Den hält die Karlsruherin Regina Halmich seit 1995 und ob die eine Provokateurin wie Jill Matthews aushalten wird, muss sie noch zeigen.

Vor ihrem ersten Titelkampf 1998 hatte sich Matthews so Mut gemacht: “Ich wollte rausgehen, und wenn ich nicht gewonnen hätte, dann wollte ich sie zumindest richtig böse verletzen. Das schwöre ich. Dann hätte sie jedem in dem verfickten Krankenhaus ihren Gürtel zeigen können.”

Aus: Süddeutsche Zeitung 17.9.99

 

punch und parkinson

Freitag, Juni 26th, 2009

ali-cover.jpg In der Wiener Tageszeitung Standard ist eine lesenswerte Rezension meiner Muhammad-Ali-Hörbiografie erschienen: Vom Punch bis zu Parkinson: „Martin Krauß ist ein geschickt arrangiertes Feature gelungen, so setzt das Hörstück ein mit einer Vielzahl von Stimmen, von fast vergessenen Konkurrenten bis zur Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison, und führt dann in erfrischender Distanz Alis Lebens- und Erfolgsstationen entlang: der Olympiasieg 1960, die Kriegsdienstverweigerung, der Übertritt zum Islam inklusive Namenswechsel, Ächtung, Verlust des Titels und die späten Fights in Kinshasa und Manila bis zur Parkinson-Erkrankung und seiner diplomatischen Mittlerrolle nach den Anschlägen von 2001.“

Also, die CD heißt: “Muhammad Ali. Ein Leben” und ist bei Argon für 9,95 Euro erschienen.

 

ali, ali, ali

Mittwoch, Juni 3rd, 2009

ali-cover.jpg Erste Hörproben meines Audiobuchs über Muhammad Ali finden sich hier. Die CD kommt dieser Tage raus und kostet 9,95 Euro.