Archive for the ‘doping’ Category

dreckiger tee

Donnerstag, Juli 17th, 2014

Evi Sachenbacher-Stehle wurde für zwei Jahre gesperrt. Ein Kommentar von mir in der taz: Frau S. Gespür für Tee

athletenrechte

Sonntag, März 9th, 2014

Wenn man sich dem „Fall Pechstein“ mal ohne die dämliche Frage nähert, ob man Frau Pechstein leiden oder nicht leiden mag, ergibt sich eine ungeheure Brisanz, die viel über „Sport und Politik“ und viel über „mündige Sportler“ aussagt: in der neuen Jungle World: Eine Revolution für die gesamte Sportwelt.

während ich weg war

Sonntag, November 25th, 2012

Vor meinem Urlaub habe ich Artikel geschrieben, die während des Urlaubs erschienen sind und auf die ich nun, nach dem Urlaub, verweise:

In der Konkret ein Kommentar zu Lance Armstrong: Auslöschung.

In der taz Teil ich-komm-grad-nicht-drauf meiner Kolumne Über Ball und die Welt, diesmal: Das Sandaffen-Problem.

In der Jungle World findet sich ein längerer Beitrag über Männer, die im KZ boxen mussten, um zu überleben. 19 Boxer sind es, deren Leben ich recherchiert habe: Ums Überleben kämpfen.

In der Jüdischen Allgemeinen ein Bericht vor der Beschäftigung des Bundestags mit dem Beschneidungsgesetz: Auf Messers Schneide.

streitgespräch doping (2)

Samstag, Juni 16th, 2012

In dem gerade erschienenen Band Entgrenzungen des Machbaren? Doping zwischen Recht und Moral, herausgegeben von Christoph Asmuth und Christoph Binkelmann findet sich ein Beitrag von mir und dem Politologen Bernd Ladwig: Doping ist menschlich. Ein Disput über Natürlichkeit, Reinheitsmythen und die Menschenrechte von Athleten. Es ist ein (via Email geführtes) Streitgespräch, das – wie ich glaube und hoffe – ein paar Klärungen mit sich bringt.

speiche locker

Donnerstag, Januar 26th, 2012

rad-athen.jpg Kurz vor der Verkündung des Urteils gegen Alberto Contador wird schon mal Stimmung gemacht. Unter anderem mit einer besonders absurden Verschwörungstheorie: Der dreifache Tour-de-France-Sieger habe ja schon mal ein Trainingslager in Israel absolviert. Doping und Training in der Jüdischen Allgemeinen.

ramsch

Donnerstag, Januar 12th, 2012

cover-dopingbuch.jpg Zweitausendeins hat ein Verbrecher-Verlag-Sachbuch-Paket geschnürt, darin das von mir und Rolf-Günther Schulze herausgegebene Buch Wer macht den Sport kaputt? Doping, Kontrolle und Menschenwürde (mit Beiträgen von Hermann L. Gremliza, Diedrich Diederichsen, Thomas Ebermann, Dave Zirin, René Martens u.a.). Wer diesen Band schon immer haben wollte, aber davor zurückschreckte, weil ja ein Teil des Geldes vielleicht an mich gehen könnte, hat keine Ausrede mehr: alles geht an die korpulenten Chefs von Zweitausendeins und Verbrecher!

sauber!

Donnerstag, Dezember 1st, 2011

Auf der zur Dresdner Tagung „Saubere Leistung? Doping in Sport und Gesellschaft“ vom 3. bis 5.11.2011 durfte ich einige Thesen nicht zum Doping, sondern zum Antidoping, also zur menschenrechtlichen Fragwürdigkeit etlicher Aspekte der Antidopingpraxis vortragen. Ich stellte hier einfach mein Redemanuskript ein.

Guten Tag,

ich spreche heute weniger über Doping, sondern über Antidoping. Genauer: über die Praxis des Antidoping.

Meine These lautet: Was bei den gängigen Dopingkontrollen passiert, ist in mehrerer Hinsicht menschenrechtlich fragwürdig und nicht tragbar.

Lassen Sie mich kurz den Ablauf von Dopingtests schildern. Untersucht wird bei Dopingtests bekanntlich Urin: Gegeben wird er vom Sportler oder der Sportlerin unter genauer Sichtkontrolle. Das heißt, männlichen wie weiblichen Athleten wird, während sie in den Becher urinieren, auf das Geschlechtsteil  geschaut.

In der Broschüre „Ich werde kontrolliert“ von der NADA heißt es zur Frage, was „unter genauer Sichtkontrolle“ zu verstehen ist: „Das Kontrollpersonal begleitet dich in das WC und beobachtet die Urinabgabe in den Sammelbecher. Dazu musst du Kleidung, die den ungehinderten Blick des Kontrollpersonals verhindert, entweder ablegen oder entsprechend richten.“

Achten Sie auf den Satz: es steht nicht da, wohin die Blicke gehen: „Kleidung, die den ungehinderten Blick des Kontrollpersonals verhindert“. So schambesetzt ist das Thema, das man es in der Broschüre, wo alles erklärt wird, nicht aussprechen mag. Ich habe Ihnen hier die comic-ähnliche Bebilderung des Vorgangs aus der Broschüre mitgebracht: Nicht mal der Comiczeichner traut sich den Unterleib – obwohl nur von hinten zu sehen – zu zeigen. Wiederum: So schambesetzt ist das Thema.

Wie sich dieses Vorgehen in der Praxis noch weiter schrauben lässt, darüber hat die Kugelstoßerin Nadine Kleinert nach den Leichtathletik-WM  2007 im japanischen Osaka in der Bild-Zeitung berichtet:  „Auf der Toilette war hinterm Hintern ein Spiegel angebracht, und unten rum war alles hell erleuchtet. Die Ärztin schaute ganz genau hin. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Normalerweise steht eine Frau im Raum, schaut einfach zu.“ Kleinert berichtete auch über die Kontrollen bei ihrer Mannschaftskollegin Petra Lammert: „Sie musste sogar noch ein zweites Mal ran, weil sie beim ersten Mal die Beine nicht breit genug gemacht hatte. Kontrollen sind richtig und wichtig, aber das ist menschenunwürdig.“

Mir ist kein gesellschaftlicher oder staatlicher Bereich bekannt, wo von einer Menschengruppe derartige Verletzungen der Intimsphäre so offen verlangt werden – nicht im Strafvollzug, nicht im Militär, nicht bei sporadisch angewandten massenhaften Gentests, wenn es um die Ermittlung von Vergewaltigern oder Sexualmördern geht – nirgends. Es gibt bekanntlich Kulturen, in denen die Schamgrenze noch höher ist. Der Ethnologe Hans-Peter Duerr schreibt: „Bei nicht wenigen Völkern kommt es vor, dass jemand, der vom Defäkieren von anderen gesehen wird, vor Scham Selbstmord begeht.“

Hinzu kommt, dass diese Verletzung der Scham ohne konkrete Begründung, ohne einen konkreten Verdacht erfolgt. Hier wirkt das ja das bekannte und umstrittene Prinzip der Beweislastumkehr: Der Sportler muss, auch ohne, dass auf ihn irgendein Verdacht gefallen ist, nachweisen, unschuldig zu sein. Damit Sportler jederzeit – nicht nur nach Wettkämpfen, sondern ganzjährig, auch in den Trainingsphasen – kontrolliert werden können, müssen sie die Orte, an denen sie sich aufhalten werden,  bis zu drei Monate im Voraus angeben. Die Kontrollen sollen dann in der Zeit zwischen 6 und 23 Uhr erfolgen, müssen aber nicht. Ein Urteil des Obersten spanischen Gerichtshofs, wonach  Kontrollen während der Nachtruhe verboten, wird vom DOSB für Deutschland abgelehnt.

Bei Datenschutzbeauftragten werden immer wieder Beschwerden über Weitergabe von Krankheitsdaten und von Aufenthaltsorten entgegengenommen. Der Datenschutzbeauftragte von Rheinland-Pfalz sprach jüngst von 150 Beschwerden  dieser Art. Sie betreffen unter anderem das Bekanntwerden von Sexualleben – zu erinnern ist etwa an das Problem, das homosexuelle Profifußballer haben, die aus Angst vor den Folgen eines Outings ein Doppelleben führen. Das Outing würde ihnen unter Umständen die NADA abnehmen. Versteckte oder gar offene Proteste von Sportlern gegen diese Praxis gibt es manchmal, sie sind aber eher selten.

Häufiger, zumindest mit größer medialer Beachtung , gibt es jedoch Forderungen von Sportlern, die Kontrollen sollten doch noch weiter gehen: Jüngst hat der Weltklasse-Tischtennis-Profi Timo Boll gefordert, die Sportler sollten alle mit GPS ausgestattet werden, damit ihr Aufenthaltsort von Dopingkontrolleuren jederzeit zu ermitteln ist. Vor drei Jahren hatte die damalige Spitzenschwimmerin Antje Buschschulte gesagt: „Am allerbesten fände ich regelmäßige Razzien. Ich wäre auch vollkommen damit einverstanden, dass die Beamten meine Sachen durchwühlen.“ Und kurz vor den Olympischen Spielen in Peking forderten die schwedische Weltklassesiebenkämpferin Carolina Klüft und der Hochsprungolympiasieger Stefan Holm gar die Implantierung von Computerchips unter der Haut, damit ihr Aufenthaltsort immer bekannt ist. Holm sagte: „Es klingt zwar brutal, aber es scheint mir eine gute Lösung zu sein, um falsche Verdächtigungen zu vermeiden. Ohne Chip gibt es keine hundertprozentige Sicherheit.“

Ich sagte gerade: Ich kennen außer dem Sport keinen Bereich, wo solche Eingriffe verlangt werden. Ich kenne allerdings auch keinen Bereich, wo ein, wie ich vermute: nicht geringer Teil der Betroffenen weitere und schlimmere Eingriffe für sich und für die Kollegen fordert.

Begründet werden die Maßnahmen a.) mit der behaupteten Alternativlosigkeit – sonst ginge es nicht, leider. Und b.) mit der Freiwilligkeit: kein Mensch sei ja gezwungen, Leistungssport zu betreiben.

Zu dem ersten Argument ist zu sagen, dass zum einen in zivilisierten Gesellschaften aus gutem und verteidigenswertem Grund die Überführung eines Straftäters nicht mit jedem Mittel erlaubt ist. Erinnert sei an das Verbot von Folter und Androhung von Folter. Zum anderen erweist sich die Behauptung, die menschenrechtlich zumindest fragwürdige Praxis sei leider alternativlos deswegen als Schutzbehauptung, weil nie ernsthaft andere Methoden erwogen wurden.

Zu dem zweiten Argument – Freiwilligkeit – ist zu sagen, dass die Dopingkontrollen und eventuell daraus resultierende Strafen sich ja zu einem sehr großen Teil gegen Berufssportler wenden. Und die Strafen, die schon bei der Verweigerung einer Dopingkontrolle drohen, sind also Verbote der Berufsausübung: von einer bestimmten Zeit bis zum lebenslänglichen Berufsverbot. Mithin wird hier auch noch gegen das Grundrecht der Berufsfreiheit verstoßen.

Kurz gesagt: die gegenwärtige Antidopingpraxis ist ein Skandal.

Man mag Doping für noch so verabscheuungswürdig und den Sport zerstörend halten: Die dagegen angewandten Mittel stehen in keinem Verhältnis zu dem zu bekämpfenden Übel. Während es viele Diskussionen und Überlegungen gibt, warum Doping nicht mit der Ethik des Sports zu vereinbaren ist, gibt es erstaunlicherweise in den Verbänden des Sports keine Diskussion oder keine breit geführte Diskussion darüber, wie denn die Grundrechtsverletzungen in der Antidopingpraxis ethisch halbwegs zu legitimieren seien.

Nach was wird eigentlich gesucht? Doping ist die Einnahme und Anwendung von Mitteln, die als Dopingmittel gelten. Das eine Tautologie, aber anders als derart pragmatisch lässt es sich definitorisch vermutlich nicht fassen. Auf der Dopingliste stehen bekanntlich etliche Mittel, die weder der Leistungssteigerung dienen, noch zum Vertuschen einer leistungssteigernden Substanz taugen. Cannabis ist so ein Beispiel. Gegenwärtig wird, wenn ich recht informiert bin, auch überlegt, Nikotin aufzunehmen. Auch über Koffein wird wieder nachgedacht, habe ich mir sagen lassen. Vor wenigen Jahren war Koffein von der Liste genommen worden – als man merkte, dass je nach Körpergewicht der Grenzwert schon nach wenigen Tassen Kaffee erreicht sein kann. Mir fällt kein anderes Argument zur Aufnahme von Cannabis oder Nikotin in die Dopingliste ein als dieses: Volksgesundheit. Die Sportler sollen als Vorbilder agieren. Und der Jugend ein Beispiel geben. Wenn sie das nicht tun, keine guten Vorbilder sind, werden sie bestraft. Wenn diese Vermutung, hier solle mit den Mitteln des Sportstrafrechts die Volksgesundheit verbessert werden, richtig ist, dann ist es meines Erachtens es an der Zeit, die sportsoziologische und sportphilosophische Behandlung des Themas Doping auch dem Thema Antidoping zu widmen.

Ganz offensichtlich – auch dies eine These von mir – hat sich der Bereich Antidoping von seinem ursprünglichen Ausgangspunkt – der Bekämpfung von als illegal erachteter Leistungssteigerung – gelöst und verselbstständigt.

Zum Abschluss will ich offene Fragen stellen.

– Gibt es – im Anschluss an Michel Foucaults Arbeiten zur Disziplinierung des Körpers – eine sich besonders im Sport ausdrückende Lust, den menschlichen Körper zu formen, zu disziplinieren, zu bestrafen? Und wollen wir das? Steht das nicht vielmehr eine emanzipatorischen Entwicklung der Gesellschaft diametral im Wege?

– Kann es nicht sein, dass der vielerorts beklagte und beschworene Trend zum Überwachungsstaat  – das häufigste Stichwort lautet ja „1984“ – im Sport einen Vorreiter findet? Weil hier bestimmte Kontroll-, Überwachungs- und Bestrafungsformen unter bemerkenswertem Beifall auch oft der linksliberalen Publizistik vollzogen werden? Was vielleicht daran liegen könnte, dass der Sport als ein der Gesellschaft und gesellschaftlichen Entwicklungen doch sehr fremder Bereich wahrgenommen wird?

just talk

Donnerstag, November 3rd, 2011

Hier zwei Terminhinweise:

Am morgigen Freitag, 4. November, werde ich in Dresden bei der Tagung „Saubere Leistung? Doping in Sport und Gesellschaft“, veranstaltet von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Deutschen Hygienemuseum, sprechen. Mein Thema lautet „Kontrollen sind menschenrechtlich fragwürdig“.

Und am Samstag, 26. November, spreche ich bei der Tagung „Sportler im ‚Jahrhundert der Lager’“ im Haus der Wannseekonferenz in Berlin über „Max Schmeling – Karriere im NS-Zwielicht“.

der lektüre nachhelfen

Mittwoch, Februar 9th, 2011

cover-dopingbuch.jpg Im Fluter ist eine Sammelrezension allerlei neuerer Bücher zum Thema Doping erschienen, unter anderem auch des Bandes Wer macht den Sport kaputt?, den ich zusammen mit Rolf Schulze herausgegeben habe: Dem Sieg nachhelfen. Fazit des Rezensenten Christoph Braun:

So ist auch ein allumfassender Standpunkt zu Doping, der allen gerecht wird, nur in einer utopischen Ideal-Gesellschaft möglich. In einer Gesellschaft, in der es eine Form des Zusammenlebens gäbe, die derart viel Wärme bereitstellte, dass Sport in erster Linie nicht als Geschäft begriffen würde, sondern als faires Spiel mit dem eigenen Körper gegen die der Kontrahenten.

Was immer das für eine „utopische Ideal-Gesellschaft“ sein mag, in der Sport dann wohl erst in zweiter oder dritter Linie als Geschäft begriffen wird, wo man dafür aber dann wenigstens weiß, was man von Doping zu halten hat.

 chicago-muscle.JPG

doping und philosophie

Mittwoch, März 3rd, 2010

Was geht Philosophen Doping an? Die Frage mutet nur dann irritierend an, wenn die Frage der Moral als schon beantwortet gilt. Zusammen mit meinem Kollegen Torsten Haselbauer habe ich den Philosophen Christoph Asmuth für den Freitag befragt. Asmuth leitet das Forschungsprojekt Translating Doping, das ich schon mal in der taz vorgestellt hatte: Dolmetscher für Doping. Im Interview sagt er auf die Frage, was ihn und die anderen Geisteswissenschaftler Doping angeht: „Ich finde sehr viel. Die Frage führt doch sogar zum Kern unserer Arbeit. Im Sport und vor allem im Doping wird nämlich viel mit moralischen Kategorien operiert: Gerechtigkeit, Fairness, Vertrauen. Da schließen sich Fragen an: Wie sind beispielsweise Medikamentenmissbrauch, Leistungserwartungen und vor allem Leistungsoptimierung zu bewerten? Das sind Fragen, die natürlich nicht nur im Sport gestellt werden.“ Das ganze Interview hier: Die Substanz des Sports.