Archive for the ‘fußball’ Category

taz-kolumne (4): was in simbabwe so los ist

Donnerstag, März 11th, 2010

„Simbabwes Fußballchefin hat Fifa-Equipment gestohlen“, lautete eine Schlagzeile in der Presse des südafrikanischen Landes. Ein schöner Grund, wie ich finde, mich im Rahmen meiner monatlichen taz-Kolumne über ball und die welt, mit den inneren und äußeren Bedingungen des Fußballs in Simbabwe zu beschäftigen: Die Strohfrau der Fifa. Allmonatlich wird hier die Politik des Fußballs und das Fußballelement in der Politik beleuchtet. Vorher sind schon interessante Fälle im Gazastreifen, in Indien und auf den Fidschi-Inseln erörtert worden.

Aber der Versuch, mit dem Fußball die Welt zu verstehen, geht weiter.

taz-kolumne (3): fußball auf fidschi

Donnerstag, Februar 11th, 2010

In meiner monatlichen taz-Kolumne mit dem hübschen Titel „Über Ball und die Welt“ nehme ich mir ja stets Meldungen aus der Welt des Fußballs vor, die a.) in der deutschen Medienöffentlichkeit (Agenturen, Zeitungen, TV-Sender etc.) nicht berücksichtigt wurden und b.) einen politischen Bezug haben und somit etwas über das Verhältnis von Fußball und Politik aussagen.

Klingt kompliziert, macht aber Spaß. In diesem Monat geht es um die Fidschi-Inseln, die einen Riesenkrach im Fußballverband haben: „Das Fußballchaos im Inselstaat ist ein Lehrstück über Vereine und Ligen, deren Ziel es ist, mit dem Fußball Geld zu verdienen, über einen Verband, der sich aufs Engste an den Internationalen Fußballverband Fifa anlehnt, weil er von den dort ausgeschütteten Geldern profitiert, und über eine Regierung, die sich wünscht, dass man mit den doofen Kickern endlich mal bei einer Weltmeisterschaft Staat machen kann.“: Sehenswerter Machtkampf.

(Für die pressehistorisch interessierten Leser: Teil 1 von “Über Ball und die Welt” behandelte eine Falschmeldung, wonach Zinedine Zidane für die Uno im Gazastreifen aktiv würde: Nichts gegen Zidane! Und Teil behandelte die Bemühungen einer indischer Sportfunktionäre, Indien solle sich doch um die Ausrichtung der  Fußball-WM 2026 bemühen: Der Wecker ist gestellt.)

taz-kolumne (2): der wecker ist gestellt

Mittwoch, Januar 13th, 2010

Indien will, ähm, beginnen wir diesen Eintrag neu: Ein einflussreicher indischer Sportfunktionär will, dass sein Land die Fußball-WM 2026 ausrichtet. Das ist das Thema meiner aktuellen Über-Ball-und-die-Welt-Kolumne in der tazDer Wecker ist gestellt:

„‚Indien ist ein schlafender Riese’, sagt Sepp Blatter, und der Job des Fifa-Präsidenten ist es ja, Riesen mit von ihm gelieferten Weckern wachzurütteln. In diesem Jahr klingelt es bei der WM in Südafrika, um die Ware Fußball zu einem teuren Handelsgut auf dem afrikanischen Kontinent zu machen. Vor acht Jahren war die Fifa mit der WM in Südkorea und Japan in Asien schon sehr erfolgreich. Und dem Projekt, den Fußball zum Weltmarktführer in der Sportbranche zu machen, war 1994 die Weltmeisterschaft in den USA durchaus zuträglich.“

textile klubpolitik

Samstag, Dezember 26th, 2009

Hapoel Tel Aviv kennt mittlerweile jeder HSV-Fan. Und dass dank Maccabi Haifa der israelische Fußball auch in der Champions League gut vertreten ist, sogar ohne Lothar Mattäus!, weiß man mittlerweile auch. So richtig gut steht der Profifußball in dem kleinen Land aber immer noch nicht da: Gegen die Vereinsspitze von Hapoel Petach Tikwa wird gerade ermittelt. Der Vorstand des abstiegsbedrohten Erstligisten hatte einen Einbruch in die Spielerkabine gemeldet. Dort sollen die Trikots der ersten Mannschaft gestohlen worden sein. Nun verdichtet sich aber der Verdacht, dass der Einbruch vorgetäuscht war. Der Verein hatte nämlich vergessen, das Logo der israelischen Lotto-Toto-Gesellschaft, die Sponsor der Ligat Ha’al ist, auf die Trikots zu drucken. Durch einen Trikotdiebstahl wäre man um eine Vertragsstrafe herumgekommen.

Zu Hapoel Tel Aviv und Hapoel Petach Tikwa ein kleiner Text in der Jüdischen AllgemeinenOberhaus und Unterwelt.

taz-kolumne (1): nichts gegen zidane!

Freitag, Dezember 18th, 2009

Am heutigen Freitag startete meine neue taz-Kolumne über Ball und die Welt, die nun künftig einmal monatlich erscheinen wird. Alternierend mit anderen Kolumnisten schreibe ich regelmäßig über die Politik des Fußballs. Die Kolumne wird, auch wenn der heutige Freitag der Starttag war, immer am Donnerstag im taz-Sportteil erscheinen.

Den Auftakt macht ein Text, der sich mit der Frage beschäftigt, warum Zinédine Zidane zum Objekt einer Zeitungsente wurde und welchen Schaden eine solche Instrumentalisierung des Sports bewirkt.

Zum Auftakt kopiere ich den Text mal hier rein:

Nahost-Ente Zidane

Nichts gegen Zinédine Zidane! Schon deswegen nicht, weil der frühere Fußballer böse werden könnte. Und dann, so glaubt man seit dem WM-Finale 2006 zu wissen, nickt der Franzose mit seinem unbehaarten Kopf. Anfang Dezember meldete die israelische Boulevardzeitung Yedioth Acharonot, Zidane wolle im März als Unicef-Botschafter den Gazastreifen besuchen. “Die Menschen dort haben schwere Verluste, Schäden und Verletzungen durch die israelischen Gewaltakte erlitten”, wurde Zidane zitiert. Er aber wolle dafür sorgen, dass die Bewohner wieder Grund zu einem “großen Lächeln” hätten.

Nichts gegen lächelnde Menschen in Gaza! Schon deswegen nicht, weil dort ein nicht gerade kleiner Teil der männlichen Bevölkerung bewaffnet ist. Doch die Meldung vom helfenden Zidane ist falsch: Die UNO dementiert, Zidane dementiert, herausgefunden hat es eine andere israelische Zeitung, die Jerusalem Post. Wer die Ente in die Welt gesetzt hat, ist nicht bekannt. Yedioth Acharonot hat sie mittlerweile aus ihrem Onlineportal entfernt. “Es sieht so aus, als sei es ein Internetgerücht”, heißt es bei der UNO. Die Jerusalem Post hat Hinweise, dass es aus einem Palestinian Information Center stammt. Doch dieser Hamas-freundliche Dienst berichtet zwar fleißig über “Judeo-Nazis”, über “Apartheid-Israel” und “zionistischen Terror”, die Zidane-Meldung findet sich jedoch nicht. Es bleibt also offen.

Die Frage, warum das Gerücht Verbreitung fand, lässt sich schon eher beantworten: Die israelische Armee hat ja tatsächlich schweren Schaden im Gazastreifen angerichtet - warum sollte sich ein Weltstar da nicht engagieren? Nun ist Zidane zwar nicht Unicef-Botschafter, sondern für UNDP im Einsatz, das United Nations Development Program - aber warum sollte man das nicht mal verwechseln dürfen? Und: Die Information war ja zunächst von einer Sprecherin des Kinderhilfswerks bestätigt worden - die Frau benötigte dann allerdings eine Weile, um eine kaum bemerkte Korrektur an die Agenturen zu mailen. Schließlich: Zidane ist, wie das Gros der Gazabewohner, Muslim - warum sollten ihm die palästinensischen Kinder nicht mehr am Herzen liegen als die Kinder von Sderot, der israelischen Stadt, die immer noch von Hamas-Raketen beschossen wird?

Kurz: Die Meldung war für die Redaktionen glaubwürdig im Sinne von: wird schon stimmen. Und welchen Schaden richtet sie schon an? Dass UNO-Hilfsprojekte als “Wir verschicken irgendeinen Weltstar irgendwohin” präsentiert werden? Nebbich. Dass, ohne ihn je gefragt zu haben, der Eindruck entsteht, Zidane verurteile Israel, aber schweige zum Terror der Hamas? Who cares! Oder dass sich Kinder in diesem kriegsgebeutelten Landstrich umsonst darauf gefreut haben, mal mit einem Weltstar pölen zu dürfen? Ach Gottchen! Kinder!

Das alles ist doch kein Schaden, für den sich eine nennenswerte Zahl von Journalisten schämen würde. Die Meldung, die vorgeblich den Fußballstar als guten Menschen erscheinen lassen wollte, beschädigt aber auch Zinédine Zidane selbst. Dem Franzosen mit algerischen Wurzeln wird nämlich das Recht auf eine eigene Meinung abgesprochen. Ihm wird einfach ein, sagen wir’s höflich: israelkritisches Zitat untergeschoben, von dem man vermutet, dass er es schon gesagt haben wird. Vielleicht, weil er Moslem ist. Vielleicht auch, weil er, wie es dann gerne heißt: nur Fußballer ist.

Daher ist diese Meldung, die doch das humanitäre Potenzial des Fußballs zeigen sollte, perfide. Mit Fußball hat das alles nichts zu tun.

Martin Krauß (taz, 18. Dezember 2009)

it’s quite cold, isn’t it?

Mittwoch, Dezember 16th, 2009

Das Verhältnis zwischen Großbritannien und Israel befindet sich auf dem Tiefpunkt: Gegen Israels frühere Außenministerin Zipi Livni wurde ein (mittlerweile wieder aufgehobener) Haftbefehl ausgestellt, Waren, die in den besetzten Gebieten produziert wurden, sollen künftig gesondert deklariert werden: Eine Recherche dazu, die ich gemeinsam mit meinem Kollegen Pierre Heumann, der für die Jüdische Allgemeine aus Israel berichtet, durchführte: Haft und Handel.

Verwiesen sei in diesem Zusammenhang auch auf die noch nicht so lange zurückliegende Geschichte rund um das Europaligaspiel von Hapoel Tel Aviv bei Celtic Glasgow: Fahnen schwenken für Palästina. Zur Frage, was Hapoel Tel Aviv, das am morgigen Donnerstag gegen den Hamburger SV spielt, für ein Klub ist, findet sich übrigens in der (morgigen Donnerstags-)taz ein sehr lesenswertes Interview: „Sie werden bespuckt und angegriffen“ mit Rifaat Tourk, einem früheren Hapoel-TA-Spieler, der als erster Araber in der israelischen Nationalmannschaft kickte. Tourk, auch genannt „Jimmy, die Rakete“, wird in der aktuellen Jüdischen Allgemeinen porträtiert (bitte runterscrollen). Porträt und Interview stammen von meinem Kollegen Torsten Haselbauer.

mit welcher fahne zum fußball?

Freitag, Dezember 4th, 2009

Der schottische Gewerkschaftsbund, abgekürzt STUC, wollte mal was richtig Internationalistisches tun: Beim Fußballspiel der Europaliga zwischen Celtic Glasgow und Hapoel Tel Aviv am vergangenen Mittwochabend (es endete 2:0 für Celtic) sollten, ginge es nach STUC, 10.000 Palästina-Flaggen geschwungen werden – um gegen Israel zu demonstrieren. Die Aktion ging zum Glück schief. Ein Artikel von mir dazu auf ZeitOnlineFahnen schwenken für Palästina.

reifs leistung

Freitag, November 27th, 2009

Heute wird, wer hätte es nicht auf dem Schirm?, Marcel Reif sechzig. Ein Ständchen in der tazReifs Leistung. Und in der Jüdischen AllgemeinenDer Beste, den wir haben (runterscrollen).

Im Artikel, den ich für die Jüdische Allgemeine schrieb, hat sich leider, leider und leider ein Fehler eingeschlichen, den ich erst bemerkte, als ich das recherchierte Material für die taz neu sichtete. Wer ihn findet, kriegt ne Antwortmail.

ja, gut

Mittwoch, November 4th, 2009

Ich sag’ mal: Eine neue Ausgabe meiner Kolumne Außergewöhnliches des Fußballs auf der Fußballseite der Commerzbank ist erschienen, die genau das behandelt, will sagen, genau das nicht behandelt: Nicht, warum Fußballer so gerne „Ja, gut“ sagen, sondern, warum mittlerweile – leider, leider und leider! – kaum noch Fußballer „Ja, gut“ sagen.

“Ja, gut, das schöne alte ‘ja, gut’ ist also bedroht. Das ‘Mädchenpensionat’ und die ‘Galerie’ auch, und die Gefahr, dass künftig Profis nicht mehr ‘auf Schalke’ antreten, sondern zum Pflichtspiel ‘nach Gelsenkirchen’ fahren, ist sehr groß.” Mehr hier: Ja, gut, ich sach mal.

broder und zwanziger

Mittwoch, Oktober 28th, 2009

zwanziger-pdf.jpg Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), erhält in wenigen Tagen den Leo-Baeck-Preis. Das ist die höchste Auszeichnung, die der Zentralrat der Juden in Deutschland vergibt. Weil es viel über das – endlich, endlich, endlich – gewachsene Ansehen des Sports in dieser Gesellschaft aussagt, dass erstmals ein Fußballfunktionär diesen Preis erhält, habe ich für die Jüdische Allgemeine ein längeres Gespräch mit Theo Zwanziger geführt: „Man darf sich nie beruhigt zurücklehnen“

Um die Präsidentschaft der Einrichtung, die diesen Preis vergibt – what an ueberleitung – bewirbt sich der Publizist Henryk M. Broder. Zusammen mit meiner Kollegin Katrin Richter habe ich für die Jüdische Allgemeine etliche Reaktionen auf die Kandidatur Broders als höchster Repräsentant der Juden in Deutschland zusammengestellt: Der Kandidat.