Archive for the ‘wichtiges’ Category

kommunist & kolumnist

Donnerstag, Januar 7th, 2010

sunday-worker.jpg „It all starts with Lester Rodney“, schrieb Dave Zirin schon vor vier,  fünf Jahren, und so wurde mein Interesse an diesem Mann geweckt. Nach allem, was sich zusammentragen lässt, kann der Amerikaner Leser „Rod“ Rodney, der Sportredakteur des kommunistischen Daily Worker (bzw. des sonntäglichen Sunday Worker) von 1936 bis 1958 war, als einer der Begründer eines sozialkritischen Sportjournalismus gelten. Seine größte Leistung dürfte der erfolgreiche Kampf gegen die Segregation im Profibaseball gewesen sein. Aber ganz nebenbei war er auch der letzte lebende Journalist, der vom Kampf Louis-Schmeling 1938 berichtet hatte. Ende Dezember ist Rodney im Alter von 98 Jahren in Walnut Creek/Kalifornien gestorben.

Zwei Nachrufe von mir - einer in der Jungle WorldRed Rod und einer im ND: Kommunistischer Kolumnist.

grüne, rote, sonstige

Mittwoch, September 9th, 2009

gruene-ja.jpg Bis zur Bundestagswahl findet sich in der Jüdischen Allgemeinen eine Serie mit Texten, die das Verhältnis der Parteien zum Judentum und zu Israel behandeln. In der aktuellen Ausgabe findet sich ein Beitrag zu Bündnis90/Die Grünen, den ich zusammen mit meinem Kollegen Hans-Ulrich Dillmann verfasst habe: Friedlich bleiben.

Bereits im Juni fand sich ein Beitrag von mir und meinem Kollegen Matthias Meisner über die Partei Die Linke: Feuerdrache Zion.  

In der Serie ebenfalls bereits erschienen ist der Beitrag über die SPD, verfasst von Philipp Gessler: Mit solidarischen Grüßen.

“Auf die sonstigen Parteien werden wir auch noch einen Blick werfen.” (Ulrich Deppendorf)

antisemitismus im fußball (4)

Donnerstag, Juni 11th, 2009

homburg.jpgDiesen Veranstaltungshinweis, garniert mit diesem Foto, habe ich gerade erst gesehen: Am Sonntag findet im saarländischen Merzig eine Veranstaltung zum Thema „Antisemitismus im Fußball – Über das Schweigen von Fans und Funktionären“ statt. Es sprechen Christoph Goergen und Christian Hirsch, die sich in der „Aktion 3. Welt Saar“ sehr verdienstvoll um Fußball kümmern. 

Sonntag, 14. Juni, 18 Uhr, Stadthalle Merzig. Es findet im Rahmen einer Anne-Frank-Ausstellung statt.

In Einladung heißt es u.a.:

“Wir bauen eine U-Bahn von … nach Auschwitz”. Dieser Slogan – der Ort in der Mitte wird dabei ausgetauscht – wird in Fußballstadien gesungen, auch im Saarland. Antisemitismus hat im Fußball seinen Platz, analog zu seiner Präsenz in der Gesellschaft. Der Begriff “Jude” wird im Fußball durchgängig als Schimpfwort benutzt gegenüber gegnerischen Fans, gegnerischen Vereinen oder dem Schiedsrichter. Bei solchen Sprüchen fällt auf, dass Polizei und Vereinsordner daneben stehen, aber meist nicht eingreifen. Antisemitische Beschimpfungen haben in den oberen Ligen abgenommen, dafür aber in den unteren Ligen zugenommen. Neben der Medienpräsenz liegt dies auch an der Gegenbewegung einiger Fans. Als überzeugte und praktizierende Fußballfans richten sich die Referenten mit ihrem Vortrag an alle, die die oben beschriebenen Phänomene aus eigener Anschauung kennen, sich bisher aber nicht trauten, im Stadion aktiv dagegen vorzugehen oder sich allgemein für Fußball interessieren.

plop-plop-diplomatie

Donnerstag, April 30th, 2009

Der Begriff Ping-Pong-Diplomatie ist mittlerweile ein eingeführter politikwissenschaftlicher Terminus. Historisch beschreibt er die Annäherung der USA und der Volksrepublik China zu Beginn der Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts: Erst kam es zu Tischtennis-Begegnungen, dann zu politischen Gesprächen. Der Sport, das umschreibt der Begriff seither, ist zu einer Form der soften Außenpolitik geworden: Mal dienten Sportbegegnungen der Annäherung von verfeindeten Ländern, mal wurden Sportboykotte als softe Formen der Sanktion benutzt.

Eine besondere Form der Annäherung zweier Länder  fand gerade in Marokko ihr Ende: Shahar Pe’er, israelische Profitennisspielerin, nahm nämlich als erster Israeli an einem Turnier in dem arabischen Land teil. Allerdings verlor Pe’er, gerade 53. der Tennisweltrangliste, bei dem Turnier in Fes in der zweiten Runde gegen die tschechische Spielerin Lucie Hradecka mit 6:4, 6:1. Das ist für Pe’er keine optimale Vorbereitung auf die French Open, die Ende Mai beginnen. Sportpolitisch sorgte Pe’er zuletzt unfreiwillig für Aufsehen, weil sie bei einem Turnier in Dubai nicht antreten  durfte.

Dass Pe’er jetzt in Marokko spielte, ist nicht nur sportpolitisch ein großer Schritt nach vorne. Es reiht sich ein in jüngere Tendenzen der internationalen Politik: Marokko brach im März die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab, einem Regime, das bekanntlich Israel von der Landkarte löschen möchte. Und bei der umstrittenen Antirassismuskonferenz der UNO im April verließen auch die Delegierten Marokkos gemeinsam mit den meisten Delegierten von EU-Ländern den Saal, als Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad seine offen antisemitische Tirade verbreitete.

Früher war das anders: 1997 weigerte sich das marokkanische Tennis-Davis-Cup-Team noch, in Tel Aviv anzutreten. Und 1998 hatte die marokkanische Regierung der israelischen Mannschaft, die an der Cross-WM teilnehmen wollte, trotz vertraglicher Zusicherungen, die Einreise verweigert.  

Achtet man auf die Geräusche, die den Tennissport typisch machen, dürfte man jetzt von einer Plop-Plop-Diplomatie sprechen.

npd und bundeswehr

Donnerstag, Dezember 25th, 2008

Es sei hiermit auf eine recht gründliche Recherche von mir und meiner Kollegin Katrin Richter für die Jüdische Allgemeine verwiesen: Kamerad Voigt. Es geht um die Frage, warum sowohl der Deutsche Bundeswehrverband als auch die deutsche Bundeswehr den NPD-Vorsitzenden Udo Voigt in ihren Reihen halten. Der Verband, der sich als Soldatengewerkschaft versteht, hält ihn als Mitglied, die Bundeswehr hält ihn als Hauptmann der Reserve. Warum das so ist und wie die Bundeswehr in Siebziger- und Achtzigerjahren mit linken Offizieren umsprang, lässt sich alles nachlesen.

leiden unter antisemitismus

Sonntag, November 2nd, 2008

Ein Jahr lang haben deutsche Parlamentarier an einem gemeinsamen Antrag getüftelt, der zum Gedenken an den 9. November 1938 in den Bundestag eingebracht werden sollte. Ende September 2008 war darin u.a. dies zu lesen:

Grund zur Sorge gibt das Ausmaß an latentem Antisemitismus in der Bevölkerung, wobei sich derartige Einstellungen in allen Schichten der Gesellschaft finden. Studien wiesen darauf hin, dass etwa jeder zehnte Deutsche ein eher antisemitisches Weltbild hat.

Warum die Studien von den circa zehn Prozent Antisemiten zuoberst auf den Tisch des Hohen Hauses gepackt wurden und die Mehrheit der Studien, die doch beinah einhellig von circa dreißig Prozent spricht, nicht zur parlamentarischen Willensbildung beitrug – geschenkt. Am 7. Oktober jedenfalls hat einer der Bundestagsredigierkünstler nicht nur die Partei Die Linke aus dem Antragskopf gestrichen, sondern auch die Stelle mit den zehn Prozent der Landsleute umgearbeitet:

Etwa jeder zehnte Deutsche leidet unter antisemitischen Vorurteilen.

Womit endlich mal klargestellt ist, wer zuvörderst unter Antisemitismus leidet. In der Fassung vom 15. Oktober – die Linke ist immer noch draußen – hat sich wieder jemand dieses Satzes angenommen:

Grund zur Sorge gibt, dass latenter Antisemitismus in allen Schichten der Bevölkerung zu finden ist – von rechts wie auch von links.

Nun ist das Leiden wieder gleich auf Juden und Nichtjuden verteilt, aber dafür erfahren wir, was es mit den Schichten der Bevölkerung zu tun hat: von links über Mitte bis rechts verlaufen sie.

antisemitismusbeauftragter, basketball

Freitag, Oktober 31st, 2008

Eine Recherche, die ich mit meiner Kollegin Katrin Richter zusammen für die Jüdische Allgemeine durchführte, zeigt wie ein gemeinsamer Antrag aller Bundestagsfraktionen zum 9. November 1938 scheiterte und wie dabei die Idee eines Antisemitismusbeauftragten auf der Strecke blieb: Links liegen lassen. Dazu auch ein Interview mit der Historikerin Karin Hartewig.

Meine Abseits-Kolumne in der Jüdischen Allgemeinen zeigt dieses Mal, warum Basketball ein jüdischer Sport ist: Unter anderem weil der Sport erst 1891 erfunden wurde, weil er sich nicht langsam aus Vorgängersportarten entwickelt hat, weil er nicht, wie es in Europa oft der Fall ist, sozialen Exklusivitäten unterlag et cetera.

offenes schwimmen

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Ob der iranische Kraulsprinter Mohammad Bidarian bei den Olympischen Spielen in Peking über 100 Meter Freistil antreten wird, dürfte eine politische Frage sein. Eine seiner letzten Chancen, sich auch über diese Strecke sportlich zu qualifizieren, hatte Bidarian bei den Offenen Kroatischen Schwimmmeisterschaften, die am vergangenen Wochenende in Dubrovnik ausgetragen wurden. Über 50 Meter Freistil schwamm er am Samstag in 23,67 Sekunden einen neuen iranischen Landesrekord.

Doch im Halbfinale über 100 Meter Freistil sollte Bidarian im selben Lauf wie der israelische Schwimmer Nimrod Shapira Bar-Or ins Wasser springen. Bidarian weigerte sich.

Im Iran, wo, wie offizielle Stellen gerne bestätigen, Sport und Politik getrennt werden, bereitet man sich auf einen herzlichen Empfang für Bidarian vor.

Mohammad Bidarian wird, zumindest über 50 Meter Freistil, gemeinsam mit dem Brustschwimmer Mohammad Alirezaei der erste iranische Schwimmer bei Olympischen Spielen sein.

am ende ist man krüger

Donnerstag, Juli 10th, 2008

Zum Fall des Göttinger Sportwissenschaftlers Arnd Krüger habe ich eine abschließende Recherche in der Jüdischen Allgemeinen vorgelegt: Ende Juni hatte er einen Vortrag mit dem Untertitel “Wie vermitteln wir die Zeitgeschichte des Sports, ohne uns in den Fallstricken des Antisemitismus zu verhaspeln?“ gehalten, der die These enthielt, die israelischen Sportler, die während der Olympischen Spiele 1972 von dem Terrorkommando “Schwarzer September” überfallen wurden, seien wissentlich und freiwillig in den Tod gegangen. Arnd Krüger, der anfangs seine Thesen inhaltlich verteidigte und nur die Präsentation einer Selbstkritik unterzog (siehe mein Interview mit ihm in der taz), hat mittlerweile alles zurückgezogen und sich entschuldigt.

Mit vielen Tagungsteilnehmern habe ich gesprochen, habe bei anderen Fachkollegen nachgefragt, über eine Stunde mit Krüger selbst gesprochen und viel in Archiven gelesen: „Eine Frage des Menschenbildes“.

Mein persönliches Fazit: Er hat sich in den Fallstricken des Philosemitismus verheddert.

krüger am rand

Donnerstag, Juli 3rd, 2008

Der Göttinger Sportwissenschaftler Arnd Krüger ist heftiger Kritik ausgesetzt. Auf einer Tagung behauptete er, die israelischen Sportler und Trainer, die 1972 beim Olympiamassaker ums Leben kamen, seien wissentlich in den Tod gegangen. „Antisemitismus pur“ wirft ihm Dieter Graumann vom Zentralrat der Juden in Deutschland vor. Krüger sprach über angebliche Ursachen, die in der israelischen Gesellschaft und im Judentum zu suchen seien. Material dazu findet sich bei Elke Wittich in (oder auf?) sportswire.de hier und hier.

Ich habe für die taz mit Krüger gesprochen: “Ich habe eins auf die Nase bekommen.” Interessant fand ich, dass meines Wissens kaum ein deutscher Journalist mit Krüger direkt sprach. Israelische Kollegen von Ha’aretz und von Ma’ariv hatten ihn interviewt.